Bilanz für 2011, Ausblick auf 2012 – dieses Unterfangen möchte ich folgendem Leitspruch unterordnen: »Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über Finsternis zu klagen« (chinesische Weisheit).
der 19. Weltfleckviehkongress vom 16. bis 25. September 2012 lässt international alle an der Rinderhaltung Interessierten auf die deutsche Fleckviehzucht blicken. Eine der großen Attraktionen wird dabei sicherlich das Zentral-Landwirtschaftsfest in München darstellen.
Beim Rückblick auf den letzten Kongress vor nunmehr 24 Jahren werden die enormen Veränderungen und Zuchtfortschritte deutlich erkennbar. Hohe Milcherträge bei guter Fleischleistung von gut konditionierten Tieren bestätigen das konsequente Verfolgen des Zuchtziels der Zweinutzungsrasse und bescheren den Betrieben entsprechende Erlöse. Das knappe Angebot auf dem Rindfleischmarkt bringt nicht nur gute Schlachtviehpreise sondern lässt auch die Erlöse für männliche Kälber zur Mast auf Rekordhöhen ansteigen.
Trotz guter Marktbeschickung gelingt es uns im Moment nicht, die Nachfrage beim Zuchtvieh zu decken, auch hier werden ordentliche Preise erzielt. Mit dem Status ›Blauzungenfrei‹ für Deutschland, der Artikel 10-Anerkennung Bayerns bezüglich BHV1 und der konsequent umgesetzten BVD-Untersuchung gibt es seit Anfang des Jahres für uns Züchter kaum noch Handelshemmnisse innerhalb der EU. Allerdings haben sich mit der Diskussion um das Schmallenberg-Virus und das Verbot von doppelstöckigen Rindertransporten in einigen Bundesländern schon wieder neue Problemfelder aufgetan. Das ›Doppelstockverbot‹ hat nicht etwa den Tierschutz, sondern Populismus in Wahlkämpfen als Hintergrund. Eine Ausnahmegenehmigung vom Bundesverkehrsministerium für eine Fahrzeughöhe von 4,20 m Höhe, wie sie beispielsweise Autotransporte haben, statt der normalen 4,00 m, würde der Politik gut anstehen.
Die Genomische Selektion, die bereits ein Jahr im Einsatz ist, und die sich abzeichnenden Entwicklungen sehe ich – bei allem Erfolg – mit einer gewissen Sorge. Der enorme Wettbewerb um die Nummer 1 jeder Bullenlinie spielt sich immer mehr in den Ställen der Züchter, mit zum Teil schwindelerregenden Preisen, und nicht mehr auf den Zuchtviehauktionen ab.
Als Konsequenz werden bei diesen Preisen immer weniger Stiere insgesamt eingestellt. Bis heute gibt es aber noch keine Garantie dafür, dass nicht am Ende die Nummer fünf oder gar der zehnte aus dieser Linie der bessere Vererber wäre, aber leider keine Chance bekam, sich zu beweisen.
Unser Fleckvieh hat in der Vergangenheit enorm von einem möglichst freien Zugang zu jedem interessanten Sperma profitiert. Von einer Abschottung der Genetik in einzelnen Zuchtregionen halte ich persönlich – wie die meisten Fleckviehzüchter – nicht viel.
In diesem Sinne ist die Vereinbarung vieler bayerischer Zuchtverbände und Besamungs-organisationen zu begrüßen, in der Regeln für den Umgang mit der Genomischen Selektion und deren Vermarktung aufgestellt sind. Vielleicht können sich ja auch noch die Verantwortlichen der restlichen Organisationen mit diesem Papier anfreunden.
Sehr erfreulich ist auch der Einsatz der Jugend für die Rinderzucht. Diverse Kälberaufzucht-Wettbewerbe und die 3. Bayerische Jungzüchterschau in Wertingen beweisen dieses Engagement. Gerade die Jungzüchtervereinigungen, die sich mit erstaunlichem Fachwissen und viel Gespür für das Vieh durch eine Reihe von Aktionen und Aktivitäten der Öffentlichkeit präsentieren, machen so auch ihre Vereinigung für andere junge Leute interessant.
All das ist ein Beweis dafür, dass hier wiederum eine engagierte, kompetente und leidenschaftliche Züchtergeneration nachwächst.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Fleckviehzüchter und -züchterinnen viel Freude und Erfolg bei Ihrer Arbeit.
Ihr
Balthasar Biechl,
Vorsitzender Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh Miesbach e. V.