Italien ist auf den Weg zum Biogas-Land. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen. Landwirte sind bereit zu investieren. Nun ist es wichtig, Wissen über Technik und Methoden zu vermitteln. Der Anlagenhersteller BTS versucht seit sieben Jahren mit einem Kongreß das zu schaffen.
von Rouven Zietz
Michael Niederbacher steht am Rednerpult. 350 Interessierte aus Italien und aus dem europäischen Ausland erleben den Veranstalter bei seiner Eröffnungsrede. Der General Manager der Gruppe U.T.S. Italia Srl und BTS Niederbacher aus Südtirol spricht über Chancen, die Biogas Landwirten auch in Italien ermöglicht. Bereits zum 7. Mal organisiert BTS Italia SRL in der Stadt Montichiari, südöstlich vom Gardasee, einen kostenlosen Biogas-Kongress.
Gewinner: Biogasbetreiber Giovanni Bonaglia bekam von BTS Italia SRL den Biogas Award 2011 für die meisten Volllaststunden überreicht. Der Preisträger erreichte 8693 Volllaststunden.
Unter der Losung „Efficienza Al Massimo“ (Maximale Effizienz) dreht es sich bei den Wortbeiträgen nicht nur um die Frage, wie man den Biogasertag steigern kann. Harm Grobrügge, Vizepräsident der Europäischen Biogas Association, warf einen Blick auf die Biogas-Branchen in anderen europäischen Ländern. „Länder wie die Schweiz und Dänemark waren zu Beginn der 1990. Jahre auf diesem Sektor führend,“ sagte der Norddeutsche. Aber eine schlechtes Vergütungssystem habe die Entwicklung in den beiden Ländern stagnieren lassen. David Wilken vom Fachverband Biogas sprach über die Situation in Deutschland. Im Jahr der EEG-Novellierung machte er auf die kontroversen Diskussionen zwischen Kiel und München aufmerksam.
Viller Biocelli, Koordinator des italienischen Biogasverbandes, entwarf anschließend für sein Land ein positives Bild. Italien erzeugt 1491 MW Leistung aus Bioenergie, davon entfällt 31 % auf Biogas. Im Jahr 2010 gingen 182 neue Biogasanlagen ans Netz.
Bei gleichen politischen Rahmenbedingungen, sagte Biocelli, könnten 2011 mehr als 270 neue Anlagen mit einem Potenzial von 165,5 MW den Energiemix ankurbeln. In Italien sind 51 % Abfallanlagen, 31 % produzieren Gas aus Gülle und 7 % sind Energiepflanzen-Anlagen.
Hoffnungsvolle Zukunft
"Ich bin sehr interessiert an Neuerungen im Bereich Biogassubstrat. Der Weg nach Italien hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt." Carmen Tauer, 47, Angestellte beim Maiszüchter FarmSaat in Straubing, Bayern.
Um die Methanausbeute von Pflanzen ging es im Vortrag von Prof. Fabrizio Adani von der Universität Mailand. Anhand zahlreicher Untersuchungen seiner Universität zeigte Adani den vielen potenziellen Betreibern auf, was neben Mais und Triticale in Italien funktioniert. In der Po-Ebene etwa, könne Hirse eine anspruchsvolle Alternative sein.
Dem Titel der Veranstaltung trugen mehrere Vorträge Rechnung. Der Ingenieur Alberto Barbi erklärte, wie man mit Hilfe der Infrarottechnik das Beschicken überwacht und durch eine perfekte Fütterung die Effizienz langfristig steigert. Biologin Marlene Hölzl präsentierte Versuchergebnisse, die das BTS-Labor sammelt, um nach den Ursachen für die effizientesten Anlage zu fahnden.
Nach ihrem Vortrag bekam der Italiener Giovanni Bonaglia vom landwirtschaftlichen Betrieb Bettegno den
Biogas-Award 2011 für 8693 Volllaststunden überreicht. Er wurde geehrt, weil seine BTS-Anlage im vergangenen Jahr die meisten Volllaststunden erreichte. Als Preis erhielt er ein IPad und eine Ehrenurkunde.
Spielraum auf kleiner Fläche
Erfahrungen aus Deutschland gab Ute Baumeister von der Gesellschaft für Nachhaltige Stoffnutzung mbH zum Besten. Sie sprach über Gärreste und die Verwertung von Ammoniak. Prof. Andrea Fermigoni von der Universität Bologna wagte einen Ausflug in die Tierwelt. Der praktizierende Tierarzt vermittelte sein Wissen über die Bedeutung von Fasern im Kuhpansen. Fasern, die bis zu 96 Stunden im Pansen verweilen, könnten laut Fermigoni fast vollständig abgebaut werden. Einzigste Ausnahme: Lignin. Je mehr davon im Fermenter, desto weniger Biogas.
"Mich interessiert an der Veranstaltung
das Thema Effizienzsteigerung. Ich finde es interessant zu sehen, wie die Entwicklung in Italien vorangeht. Außerdem treffe ich hier auf viele Berufs-kollegen." Andreas Thoma, 24, Landwirt aus Erdesingen, Bayern.
Laut BTS-Mitarbeiter Helmut Mittermair verfolgt der jährliche Kongreß zwei Ziele: „Zum einen wollen wir die Landwirte informieren, zum anderen versuchen wir auch die Richtung vorzugeben. Wir wollen die Biogaseffizienz mit Nawaros immer weiter steigern und das mit so wenig Fläche wie möglich.“ Allgemein steht Italien nicht sehr viel landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung. Es regnet wenig, aber hohe Erträge sind möglich. In Italien lasse sich laut Mittermair mit 200 ha 1 MW Biogas produzieren. In Deutschland braucht man für diese Energieleistung nahezu 600 ha. BTS hat in Italien knapp 50 Anlagen gebaut. Ihren Marktanteil wollen die Südtiroler im eigenen Land weiter ausbauen. In Italien gibt es im Vergütungssystem keine Staffelung nach Anlagengröße. Das soll sich aber ändern, wann und wie, will aber keiner so genau prognostizieren.