Biomethan-Projekte sind meistens in den Händen größerer Unternehmen. Fünf Landwirte zeigen, dass es auch anders geht.
von Rouven Zietz
Georg Rauch, Simon Rauch, Thomas Metzler, Egon Kaltenbach und Edwin König (von links) auf der Baustelle ihrer 2-MW-Biomethananlage in Hahnennest.
Die Biogasanlage ist ein kleiner Schritt im Energiebereich, aber ein großer Schritt für Hahnennest,“ sagt Georg Rauch, während er sein Auto zur Baustelle lenkt. Hahnennest ist ein Dorf in Baden-Württemberg mit 36 Einwohnern und 12 Häusern. Der überschaubare Wohnort liegt im Landkreis Sigmaringen, rund 30 Km von Überlingen am Bodensee entfernt.
Georg Rauch ist einer von fünf Landwirten (wie Sohn Simon Rauch), die noch in diesem Jahr Biogas in Erdgasqualität ins Gasnetz speisen wollen. Die Abwärme soll das Dorf für 2 Cent pro kWh zum Heizen nutzen.
Gesunde Betriebe
Angefangen hat alles im Oktober 2009. Wie jeden Monat trafen sich die fünf Nachbarn, Berufskollegen und Freunde Thomas Metzler, Georg Rauch, Simon Rauch, Edwin König und Egon Kaltenbach in „Marthas Stüble“ zu einem Bier. „Unser Grundgedanke war zunächst, Hahnennest mit eigener nachhaltiger Wärme zu versorgen,“ erinnert sich Thomas Metzler. Schnell landeten die Männer bei der Biogastechnik und der Idee, eine Anlage gemeinsam zu betreiben.
Die zukünftigen Energiewirte beim ersten Spatenstich im November 2010.
Ihre ersten Konzepte kreisten um eine Anlage mit 500 kW-Leistung. Dann stellten sie fest, dass ihr Bauplatz 50 m von zwei Gasleitungen entfernt liegt. Sie rechneten, planten und überlegten neu und kamen zu dem Schluss, ein wirklich großes Projekt anzugehen: eine 2-MW-Biogasanlage zur Einspeisung ins Erdgasnetz. Ein besonderer Umstand ließ sie ihre Entscheidung leichter fällen. Alle vier Landwirte besitzen große gesunde Familienbetriebe. „Wir können als Gesellschafter der Anlage 98 % der Substrate bereitstellen und das aus einem Umkreis von fünf Kilometern,“ sagt Schweinehalter Metzler, der selbst 440 ha bewirtschaftet und Schweine im geschlossenen System hält. Die anderen drei Betriebe sind für die Region ebenfalls überdurchschnittlich groß. Insgesamt kommen die Geschäftsmänner auf 1.000 ha.
In der Anlage sollen später 50 % Mais, 25 % GPS, 15 % Gülle und 10 % Gras eingesetzt werden.
Daniel Kruckelmann von HAASE Energietechnik AG & Co. KG begutachtet mit den Gesellschaftern die Anlage.
Nun befinden sich die Landwirte, die je Familie zu jeweils 25 % am Energiepark Hahnennest beteiligt sind, in der Bauphase. Doch dass es soweit kam, war nicht immer eindeutig vorauszusehen, erinnern sich die Energiewirte. Die Biomethananlage kostet die Schwaben mit allen Details rund 11 Mio. €. „Das waren mit unserer Hausbank knallharte Verhandlungen,“ sagt der 59-jährige Georg Rauch. Die größte Herausforderung war, den Banken schon vorab Gasverträge mit Kunden zu präsentieren, ohne sich mit der Thematik sehr gut auszukennen und ohne zu wissen, ob der Energiepark Hahnennest tatsächlich irgendwann Gas zum Verkauf produziert. Heute ist das anders. Thomas Metzler hat sich in das Thema Gas-Marketing eingefuchst und wirbt nun bundesweit bei potenziellen Kunden wie Metzgereien oder Fitnessstudios für sein Biogas aus Hahnennest. Die Kredite haben sie bekommen und der Gasproduktion Ende diesen Jahres steht eigentlich auch nichts mehr im Wege.
Keine Proteste gegen die Anlage
Zu Beginn ihrer Planungen hatten die Landwirte wenig Ahnung von Biogas. „Wir haben alle unterschiedliche Stärken,“ sagt Edwin König. Dies führte dazu, dass sich jeder in einen Teilbereich einarbeitete. Doch ganz ohne externe Beratung ging es auch in diesem Fall nicht.
Die Bauarbeiten sind im vollen Gange.
Einer, der ihnen während der Planungsphase zur Seite stand, war Daniel Kruckelmann von der HAASE Energietechnik AG & Co. KG. „Wir verstehen uns als Projektpartner,“ sagt Kruckelmann. Sein Unternehmen baut und vertreibt Gasaufbereitungsanlagen nach dem Genosorbverfahren. Für diese Aufbereitungstechnik entschieden sich schließlich die schwäbischen Biogasbetreiber. „Mit dem organischen Waschmittel und der deutschen Highend-Ausführung bietet der Haase-Biogasverstärker einen sparsamen Verbrauch,“ sagt Kruckelmann. Tatsächlich ist der Strombedarf niedriger als bei anderen Druckverfahren, dafür wird ein kleiner Teil der Wärme aus dem BHKW genutzt. Der Methanschlupf liegt unter 1 %. Den Gesellschaftern des Energieparks Hahnennest zufolge hatte Daniel Kruckelmann auch bei anderen Sachfragen immer ein offenes Ohr und stellte sein Netzwerk aus Fachleuten zur Verfügung. „Die menschliche Komponente ist bei einem solchen Projekt ein entscheidender Faktor,“ ist sich Thomas Metzler sicher. „Für uns war es sehr wichtig, dass wir auch außerhalb unseres Gesellschafterkreises Leute hatten, auf die wir uns verlassen konnten.“
Aber nicht nur auf sich selbst und auf externe Partner konnten sich die neuen Energiewirte verlassen, sondern auch auf ihr Umfeld. „Es hat bei uns nie Proteste gegeben. Der Gemeinderat hat das Projekt ohne Widerstände genehmigt,“ sagt Egon Kaltenbach. Nachdem sie auch die einjährige Genehmigungsphase überstanden haben, konzentrieren sich die Bauherren nun auf die baldige Fertigstellung der Anlage. Gleichzeitig ist das Team weiterhin damit beschäftigt, Gaskunden zu finden. Neben der Wirtschaftlichkeitsberechnung kümmert sich das ländliche Energieunternehmen auch um das Gashandling mit den Umweltgutachtern. „Das Potenzial ist riesig,“ beschreiben die fünf Hahnennester den Absatzmarkt von Biomethan. Viele potenzielle Kunden wüssten noch wenig über die heutigen Möglichkeiten. Doch sobald sie es wüssten, seien sie sehr interessiert. Das macht die mutigen Investoren zuversichtlich, denn eines sei klar, sagt Georg Rauch lachend: „Es muss einfach klappen, dann können wir weiterhin beruhigt schlafen.“