Nach dem offiziellen Spatenstich am 7. Juni 2010 sind die Bauarbeiten der ersten Bio-Erdgasanlage im Saarland gut vorangeschritten. Im April wurde die Anlage hochgefahren.
von Jörg Heetkamp
Die Bio-Erdgasanlage Merzig ist die erste Anlage im Saarland sein, die seit Frühjahr diesen Jahres Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet und in die Erdgas- Transportleitung der OGE (Open Grid Europe GmbH) einspeist. Der Anteil Erneuerbarer Energien, soll sich nach dem Willen der saarländischen Landesregierung von 4 auf 20 Prozent bis 2020 erhöhen. Der Betreiber der Bioerdgasanlage ist die Bioenergie Merzig GmbH, an der die E.ON Bioerdgas GmbH, ENOVOS Deutschland und die Stadtwerke Merzig beteiligt sind. Das rund 2,4 ha große Baugrundstück liegt westlich von Merzig, angrenzend an die ehemalige Hausmülldeponie Merzig-Fitten.
Beim Biogasbau werden die Nachgärbehälter auf ihre Dichtigkeit geprüft.
Mit einer Leistung von 5 MW Biomethan entspricht die neue Biogasanlage der Größe einer herkömmlichen KWK-Biogasanlage von 2 MWel. Damit werden 550 Nm³ Bioerdgas pro Stunde erzeugt, was einem Verbrauch von 2.400 4-Personen-Haushalten entspricht. Betrieben wird die Anlage mit einem Substratmix aus Gras, Ganzpflanzensilage und Mais. Es wird ausschließlich in der näheren Umgebung anfallende Biomasse genutzt. Landwirte aus der Region werden als Lieferanten der Substrate aktiv eingebunden. Der Flächenbedarf zum Energiepflanzenanbau liegt bei 1.000 ha. Das entspricht 3 % der landwirtschaftlichen Fläche in der Region.
Die Biogasanlage verwertet nachwachsende Rohstoffe, die komplett am Anlagenstandort in Fahrsilos einsiliert werden. Für die benötigten 51.000 t Einsatzstoffe pro Jahr sind bereits 6 Silokammern fertiggestellt. Als Generalunternehmer für den Bau der Biogasanlage beauftragte die Bioenergie Merzig GmbH die Fa. Agraferm Technologies AG. Das Biogas wird durch Vergärung der nachwachsenden Rohstoffe in zwei beheizten Fermentern erzeugt. Die Fermenter sind aus Beton und haben ein Nutzvolumen von jeweils 3.330 m³. Sie sind mit einer gasdichten Betondecke abgedeckt. Die Agraferm-Trockenfermentation wurde speziell für die Verarbeitung von Energiepflanzen ohne Zusatz von Gülle- und ohne vorherige- Anmischung des Inputs mit Flüssigkeiten entwickelt. Das Gärsubstrat durchläuft im nächsten Schritt die Nachgärstufe, die aus zwei runden Betonbehältern mit Gasspeicherdach besteht. Das Nutzvolumen jedes Nachgärers beträgt 5.000 m³. Der Gärrest wird über Separatoren in eine feste und eine flüssige Phase getrennt. Der flüssige Gärrest wird bis zur Abholung durch Landwirte in einem gasdichten Gärrestlagerbehälter zwischengespeichert. Der feste Gärrest wird auf einer Lagerplatte bis zur Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen zwischengelagert.
Die 5 MW Biomethananlage wird auf einer Fläche von 2,4 ha gebaut.
Das in den Gasspeicherdächern gesammelte Biogas wird verdichtet und der Biogasaufbereitungsanlage zugeführt. Mit dem HAASE BiogasVerstärker wird das Rohbiogas gereinigt und CO2 abgetrennt. Nach der Trocknung wird das erzeugte Bioerdgas in einer weiteren Verdichterstation auf den Betriebsdruck der Erdgastransportleitung (im Mittel 70 bar) gebracht. In der Übergabestation werden relevante Kenndaten des eingespeisten Bioerdgases erfasst und das Bioerdgas an die Erdgastransportleitung übergeben. Das eingespeiste Bioerdgas wird anschließend dem Erdgasnetz an anderer Stelle wieder ent-nommen und entweder vor Ort mit Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung oder direkt vom Verbraucher genutzt.
Bereits im ersten Quartal 2009 wurde das Verfahren zur Aufstellung des Vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Biogasanlage Merzig“ auf den Weg gebracht. Mit den Planungsarbeiten wurde die ARGUS concept - Ingenieurgesellschaft für angewandte Raum-, Grün-, Umwelt- und Stadtplanung aus Saarbrücken beauftragt.
Reibungsloser Ablauf
Die Biogasanlage wurde vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) in Saarbrücken nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt. Die ATD Ingenieurgesellschaft mbH hat die Vor- und Genehmigungsplanung sowie die Ausschreibungsunterlagen erstellt und war mit der Bauüberwachung beauftragt.
Alle Fachbehörden pflegten einen regen Austausch und genehmigten die Anlage zügig. Pünktlich zum Winter haben die Verantwortlichen die Tiefbauarbeiten sowie den -Behälterbau fast fertg gestellt. Dann wurden die Gasspeicherdächer montiert. Parallel erfolgten der Einbau der Rührwerke sowie die Elektroinstallation. Nach Überprüfung der Anlagenfunktionen wurde die Anlage Anfang April 2011 hochgefahren.