Der Geschäftsführer des Biogasrat e.V., Reinhard Schultz betont, dass es nach der politischen Großschlacht um die EEG-Novellierung im letzten Jahr auch in 2012 einiges zu tun gebe.
Berlin - In diesem Sinn hat sich der Verband der führenden Unternehmen der Biogaswirtschaft für das neue Jahr viel vorgenommen. Neben der Öffnung des Wärmemarktes für Biogas/Biomethan steht vor allem die Europäisierung des Biogasregisters, der Ausbau der Vernetzung in Richtung Osten insbesondere Russland sowie der Mobilitätssektor auf dem diesjährigen Programm.
Biogas für den Wärmemarkt
„Endlich einheizen lautet das Motto im Wärmemarkt“ erklärt Reinhard Schultz „zuerst politisch und dann in den Häusern.“ Im Wärmemarkt hinkt die Politik seit langem ihren eigenen Zielen hinterher. Bis 2020 sollen 6% und bis 2030 10% des Erdgasverbrauches durch Biogas ersetzt werden. Zu erreichen ist das nur durch eine Öffnung des Gebäudebestandes für das EEWärmeG und die ausdrückliche Verankerung der Zulässigkeit von Biogas in modernen Heizungsanlagen. „Die Politik hat bei den öffentlichen Gebäuden schon einmal praktische Vernunft bewiesen, jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu wagen“, so Schultz.
Studie zum EEWärmeG
Den Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum EEWärmeG begleitend, arbeitet der Biogasrat mit Hochdruck an einer Studie. Diese zeigt Möglichkeiten auf, wie sich Energieeffizienz und der Einsatz von Erneuerbaren Energien warmmietenneutral vereinbaren lassen. „Damit soll der Politik endgültig die Angst vor der Thematik genommen werden“ betont Schultz. Schließlich begebe sich kein Entscheidungsträger freiwillig unter das Damoklesschwert einer politischen Mieterhöhung, so Schultz weiter. Die Ergebnisse der Studie werden im Zuge des dreitägigen Kongresses Die Welt des Biogas‘, der im Rahmen der BioGasWorld von 22.-24. Februar in Berlin stattfinden wird, präsentiert.
Europäisierung des Biogasmarkts
Als weiteres Großprojekt beginnt der Biogasrat Anfang 2012 in Kooperation mit führenden Unternehmen aus ganz Europa intensiv mit der Arbeit an einer europäischen Registerplattform. Gemeinsam mit der dena aus Deutschland, Vertogas aus den Niederlanden, GreenGas Certification Scheme und ADBA aus Großbritannien und Energinet.dk aus Dänemark hat sich der Verband der Aufgabe angenommen, die nationalen Zertifizierungssysteme für Biogas kompatibel zu machen und so die Grundlage für die wechselseitige Anerkennung von Biomethanzertifikaten und Herkunftsnachweisen zu schaffen. „Das ist die unverzichtbare Grundlage eines europäischen Biomethanmarktes“, so Reinhard Schultz. Nur so könnten Über- und Unterangebote bedarfsgerecht und wirtschaftlich ausgeglichen werden. Bereits Mitte 2012 sollen die wichtigsten Ergebnisse vorliegen.
Polen mit viel Potential
Neben der Vernetzung der bereits gut ausgebauten Märkte geht es in diesem Jahr auch darum, neue Märkte zu erschließen. Gerade der Blick Richtung Osten zeigt diesbezüglich Vielversprechendes. Die osteuropäischen Nachbarländer, unter ihnen vor allem Polen, lassen durch enorme Potenziale und erste politische Fördermaßnahmen aufhorchen und sind für die weiteren Entwicklungen zunehmend auf deutsches Know-How angewiesen.
Bodenentlastung in Russland
Aber auch jenseits der europäischen Grenzen kommt Biogas in Fahrt. In Russland wird an Konzepten der Gülleverwertung zur Entlastung der Böden gearbeitet – mit Biogas als angenehmem Nebeneffekt. Wirtschaftlich ist diese Entwicklung aus deutscher Sicht gleich zweimal interessant: Einerseits sind deutsche Unternehmen als Marktführer im Bereich der Vergasung von organischen Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um die effizienteste und rentabelste Technologie geht. Andererseits eröffnen die enormen Flächenpotenziale eine Vielzahl neuer Möglichkeiten und laden zur Entwicklung alternativer Konzepte der Biomassenutzung ein. Um seine Mitglieder und damit die gesamte Biogasbranche auf diesem Weg optimal begleiten zu können, bereitet der Biogasrat eine Kooperation mit der neu gegründeten russischen Vereinigung für Erneuerbare Energien und Biogas vor.
Mobilität bleibt Thema
Der vierte und letzte Schwerpunkt des Jahres liegt im Bereich der Mobilität mit Bioerdgas. In engem Kontakt mit der erdgas mobil GmbH soll 2012 der Startschuss für die konsequente Umsetzung der Quotenziele für Erneuerbare Energien im Kraftstoffbereich (20% bis 2020) fallen. „Dafür ist Bioerdgas der richtige Weg“, zeigt sich Reinhard Schultz überzeugt. Die CNG-Topmodelle der Automobilbranche sind mit einer Reichweite von bis zu 530 km und Kostenersparnissen ab 10.000 km jährlicher Laufleistung längst eine echte Alternative zu Benzin, Diesel und Elektrizität. Biogas lässt sich zudem problemlos für die Verwendung im Erdgasnetz und damit auch für die Betankung von Fahrzeugen aufbereiten. Die Beimischung von Biogas kann insofern einfach und effizient zur weiteren Reduktion der Treibhausgasemission beitragen. „Die Technologie ist konkurrenzfähig, die THG-Einsparungspotenziale hoch und der Betrieb wirtschaftlich rentabel – das ist Fakt – jetzt gilt es, dafür das nötige Bewusstsein zu schaffen und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit ins Boot zu holen“, erklärt Reinhard Schultz.