Eine runde Kartoffellagerhalle ist schon ungewöhnlich genug. Noch ausgefallener aber ist eine drehbare Photovoltaikanlage auf deren flachem Dach. Sie bringt einen Strom-Mehrertrag von fast 30 %.
von Franz Wittmann
Auf 20 ha baut Josef Neumeier Kartoffeln an, die er hauptsächlich an eine Fabrik in Rain am Lech liefert, wo daraus Pommes frites werden.
Die restlichen 80 ha werden für Getreide-, Raps- und Maisanbau genützt. Der größte Teil davon sind Pachtflächen. Als auf dem Betrieb im niederbayerischen Niederviehbach östlich von Landshut 2008 der Bau einer neuen Kartoffellagerhalle zur Debatte stand, kam Neumeier eine besondere Idee: Sie sollte rund werden, gebaut wie eine Güllegrube mit einer Betondecke darauf, auf die sich eine Photovoltaikanlage stellen lassen sollte.
Kartoffeln und Solar
Mit der Solarstromproduktion hatte Neumeier schon Erfahrung: 2006 ging seine erste Dachanlage in Betrieb, drei weitere Dächer kamen noch dazu.
Über 100 kW Leistung sind auf den vier Dächern verteilt. Bei einem Besuch der Messe Intersolar kam Josef Neumeier die zündende Idee, wie sich die neue Kartoffellagerhalle und eine Photovoltaikanlage zusammenspannen lassen könnten. Er sah dort ein drehbares System, das Heinrich Göbl für Freiland-Photovoltaikanlagen entwickelt hat. Göbls Firma GSM-Solar ist im nicht weit von Niederviehbach entfernten Mamming ansässig und stellt nicht nur die Drehkranz-Nachführsysteme her, sondern ist auch Lieferant und Installateur für herkömmliche Dach-PV-Anlagen. An die 150 Nachführ-Anlagen mit Durchmessern bis zu 46 m hat Göbl inzwischen in verschiedene südeuropäische Länder ausgeliefert und aufgestellt.
Platz für 1.000 Tonnen
Auf dem Betrieb Neumeier wurde ein solcher Nachführ-Tracker mit 24 m Drehkranzdurchmesser verwirklicht. So groß ist die in monolitischer Bauweise mit einer Güllegrubenschalung hergestellte Kartoffellagerhalle aus Beton. Sie ist 6 m hoch, hat eine Mittelstütze für die Decke und fasst rund 1.000 t Kartoffeln. Wände und Decke wurden innen mit Spritzschaum isoliert. In einer Mitteltrennwand ist die Belüftungstechnik untergebracht.
Die drehbare PV-Anlage über-ragt die Gebäudeaußenwand um etwa 3 m, sodass sich ein Gesamtdurchmesser von etwa 31 m ergibt.
Stahlträger-Drehkranz
Auf dem Stahlträger-Drehkranzsystem sind herkömmliche Aluminiummontagegestelle mit einem Anstellwinkel von 30° montiert. Josef Neumeier entschied sich für Module des japanischen Herstellers Kyocera. Die 226 Module, die in neun Reihen aufgebaut sind, bringen eine Gesamtleistung von rund 45 kW. Die Anlage ist in zwölf Strings aufgeteilt, für die einzelnen Strings wurden die Module bei der Montage ganz exakt nach deren Einzelleistung sortiert. Die drei Wechselrichter sind ebenfalls auf dem Dach unter einer Modulreihe montiert.
Den Clou der Anlage, die Sonnennachführung, besorgt ein 500 W-Elektromotor, der außen am Drehkranz sitzt. Über ein astronomisch gesteuertes Zeitprogramm führt er die
15 t-Konstruktion der Sonne nach, jede Viertelstunde um ein paar Grad. Nach Sonnenuntergang bringt er die ganze Fuhre in die Ost-Ausgangsposition zurück. Gekostet hat die Komplettanlage im Jahr 2008 rund 5.000 €/kW. Das waren etwa 25 % mehr, als damals eine Dachanlage gekostet hätte. Die Mehrkosten sollten sich durch den höheren Stromertrag amortisieren. Die Praxis hat die Theorie bestätigt. „Die drehbare Anlage liefert fast 30 % mehr Strom als meine festinstallierten Dachanlagen“, sagt Josef Neumeier.
Mehr Leistung
Diese Aussage kann er auch mit Zahlen belegen. Die Nachführanlage brachte im Jahr 2009 pro kW installierter Leistung 1.370 kWh Strom, bei den Dachanlagen waren es
1.110 kWh. Im Jahr 2010 war der Unterschied noch etwas größer:
1.260 kWh bei der Drehanlage, 990 kWh vom Dach.