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[ » joule » Energie Trends » Erneuerbare_Energien ]
Donnerstag, 17.05.2012
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Energie Trends | 11.04.2011 Redaktion Joule

An Profil gewinnen

Erneuerbare Energien genießen einen guten Ruf. Umfragen machen klar: Die Deutschen sind für den Ausbau von Solar, Biogas und Windkraft. Kommunale Stadtwerke haben das erkannt. Sie investieren in Erneuerbare, um langfristig Kunden an ihr Unternehmen zu binden.
von Rouven Zietz
 
Investieren Energieversorger in Solar, winkt eine lukrative Förderung.
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Investieren Energieversorger in Solar, winkt eine lukrative Förderung.
In Gemeinschaft fällt vieles leichter - wahrscheinlich auch das Lernen. Und danach sich austauschen, zusammen Essen und Feiern. Gezeltet wird auf der Wiese vor der Mensa: Die Fachhochschule Aachen veranstaltet in diesem Sommer bereits zum 26. Mal die „Summer School Renewable Energy“ und bietet Studenten aus ganz Deutschland die Möglichkeit, am Solar-Institut Jülich mehr über Regenerative Energien zu erfahren. Die Veranstaltung kostet 250 €. Um die Studenten nicht weiter zu belasten, gibt die Fachhochschule Aachen ihre Grünflächen zum Campen frei und empfiehlt den Studenten die „Gemeinschaft zu genießen.“
 
In den 14 Seminartagen steht auch ein Besuch beim Solarthermischen Kraftwerk der Stadtwerke Jülich auf der Agenda. Ein Höhepunkt. Denn ein Solarthermie-Kraftwerk gibt es in Deutschland nur einmal. Auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld sind 2.153 Spiegel installiert. Jeder einzelne 8 m² groß.  Die Spiegel folgen dem Lauf der Sonne, lenken das Licht auf die  Spitze eines Turms und bündeln es in knapp 60 m Höhe. Die dort 700° C heiße Luft wird dann in einem Wärmetauscher zur Dampferzeugung genutzt. Das Prinzip des Dampfkraftwerks funktioniert wie ein konventionelles. Der erzeugte Gasstrom aus fossiler Feuerung mit Gas, Öl und Kohle wird einfach durch die solare Feuerung ersetzt.
 
Zukunft statt Strom

Immer mehr Stadtwerke setzen auf Erneuerbare Energien.
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Immer mehr Stadtwerke setzen auf Erneuerbare Energien.
Doch um nachhaltigen Strom zu erzeugen, braucht es neben Technik noch weitere Komponenten: vor allem Sonne. Die 30.000-Einwohner-Stadt Jülich liegt im Kreis Düren in Nord-rhein-Westfalen, nur unweit von der holländischen Grenze entfernt. Die Sonnenerträge in dieser Region sind nicht schlecht, aber auch nicht so, dass Strom im Überfluss produziert werden könnte. Das Solarthermie-Kraftwerk erbringt eine Leistung von 1,5 MW. Im Deutschlandfunk sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Jülich, Ulf Kamburg: „Während des laufenden Betriebs werden wir das Kraftwerk nicht refinanzieren können.“  
 
Insgesamt kostete der Bau des ersten Solarthermie-Kraftwerks  rund 23 Mio. €. Die Stadtwerke Jülich stemmten davon allein 12 Mio. €. Der Rest wurde von Forschungsetats aus Bund und Ländern finanziert. So richtig Geld verdienen können die lokalen Energieversorger erst, wenn in 25 Jahren das Kraftwerk abgerissen und das Grundstück verkauft wird. Doch vorher sollen Techniker und Forscher das Kraftwerk nutzen, um die deutsche Solartechnik voranzubringen. Doch es gibt noch einen weiteren, wichtigen Grund, warum sich die Stadtwerke für die Investition in ein Solarthermie-Kraftwerk entschieden haben: der Imagegewinn.
 
Anders aufgestellt

Gezeigt: Der Ex-Oberbürgermeister von Mühlacker, Arno Schütterle, ließ sich gerne an der stadteigenen Biogasanlage ablichten.
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Gezeigt: Der Ex-Oberbürgermeister von Mühlacker, Arno Schütterle, ließ sich gerne an der stadteigenen Biogasanlage ablichten.
9.000 Kunden beziehen Gas, 6.000 Energienutzer zahlen für den Stadtwerke-Jülich-Strom. „Kunden halten uns auch deswegen die Treue, weil wir bereit sind, in solche Projekte zu investieren,“ sagt Kamburg. Neben den vielen Förderungen, die lokale Energieversorger beim Bau einer Biogas- oder Solaranlage einnehmen können, spielt die öffentliche Wahrnehmung eine zentrale Rolle. Gegenüber den mächtigen Energieriesen können sich die kleinen Energieversorger durch gezielte, regionale Investitionen in Erneuerbare Energien hervorheben. Im Idealfall honorieren die Kunden die Unternehmenspolitik mit der Treue zum heimischen Stadtwerk. „Seit rund zehn Jahren investieren Stadtwerke verstärkt in Erneuerbare Energien. Die Kundenbindung ist dabei ein sehr wichtiges Argument“, sagt Antje Spindler von Eurosolar, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien.
 
Im Mai letzten Jahres hat Eurosolar mit ihrem prominenten Präsidenten, Hermann Scheer, die 4. Konferenz „Stadtwerke mit Erneuerbaren Energien“ in München organisiert. „Kommunale und regionale Stadtwerke werden Träger der künftigen dezentralen Energieerzeugung aus regenerativen Quellen sein,“ lautete das Fazit der Veranstaltung. Über Handlungsoptionen und Finanzierungsmodelle wurde auf den beiden Kongresstagen informiert. Es kamen über 200 Teilnehmer nach München, die sich auch über Konzepte zur Energie-Vollversorgung mit Regenerativen Quellen ihre Gedanken machten. „Die dezentrale Energieversorgung ist für viele Bürger weiterhin ein wichtiges Thema,“ sagte ein Teilnehmer. Stadtwerke erkennen darin ihre Chance.
 
Klares Ziel anvisiert
 
Die Münchner Stadtwerke (SWM) etwa wollen bis 2015 alle Münchner Privathaushalte mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgen. Bis 2025 soll soviel regenerativer Strom ins Münchner Netz eingespeist werden, dass auch alle Gewerbebetriebe samt den Privathäusern mit grünem Strom versorgt werden können. Die SWM geben sich optimistisch und halten ihre ambitionierten Ziele  für realistisch. Doch neben dem guten Willen wird auch die Energiepolitik der nächsten Jahre über das Gelingen eines solchen Projektes entscheiden.  
 
Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) genießen Stadtwerke im Vergleich zu Politikern ein hohes Maß an Vertrauen in der Gesellschaft. Laut Studie bewerten 92 % der Befragten ihr Stadtwerk als zuverlässig. 91 % sind mit der Gesamtleistung kommunaler Unternehmen zufrieden. Die Studie machte zudem deutlich, dass das Umweltbewusstsein der Kunden vor Ort weiter zunimmt. Nicht nur aufgrund aktueller Katastrophen, wie das Öldesaster am Golf von Mexiko, wünschen sich die Befragten mehr Engagement im Bereich Umwelt- und Klimaschutz von ihren heimischen Stadtwerken. Ein Großteil der Befragten  will, laut Umfrage, trotz höherer Preise von einem kommunalen Unternehmen mit Energie versorgt werden.
 
Richtige Antworten
 
An Profil gewinnen
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An Profil gewinnen
Ein lokaler Versorger, der sich diesen Trend ebenfalls zu nutzen machte, sind die Stadtwerke Mühlacker. Die 25.000 Einwohner zählende Kreisstadt liegt in Baden-Württemberg zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Bereits heute werden 80 % des kommunal erzeugten Stroms in Mühlacker aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gewonnen. Zudem bauten die lokalen Energieversorger aus dem Enzkreis 2007 eine Biomethananlage mit einer Leistung von 2 MWel.
 
Bis heute ist sie mit einer jährlichen Aufbereitungskapazität von ca. 4,4 Mio. Nm3  Biomethan in Erdgasqualität eine der größten Anlagen im Südwesten. Zu 60 % kommt Mais zum Einsatz. Die restlichen Substrate sind Gras und Getreide, „das nicht zur Nahrungsproduktion verwendet wird,“ wie der Geschäftsführer der Mühlacker Stadtwerke, Jürgen Meeh, im joule-Interview klarstellt. Auch auf die Entfernungen der gelieferten Substrate legen die Stadtwerke Mühlacker Wert. Die meisten Rohstoffe stammen aus einem Umkreis von 10 km von hiesigen Landwirten. In Sachen Klimaschutz wäre eine negative CO2-Bilanz, verursacht durch weite Wege, kontraproduktiv. Schließlich soll der Einsatz fürs Klima ins Marketing integriert werden. So berichten die Mühlacker Energieversorger regelmäßig über ihre Biomethananlage in der eigenen Kundenzeitschrift.
 
Frische Dimensionen
 
Doch Stadtwerke, wie auch die Energiemacher aus Mühlacker, investieren nicht nur in regionale Energie-Projekte, sondern sind auch in der Nordsee aktiv. 15 Stadtwerke planen gemeinsam an einem Offshorepark vor Borkum mit einer Leistung von 400 MW. Über die Strategien der Stadtwerke diskutieren die Studenten vielleicht auch auf dem Sommerkurs. Dann aber bestimmt beim Abendessen - auf der Wiese vor der Mensa.




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Keywords Arno Schütterle | Biogas | Energietrends | Energieversorgung | Erneuerbare Energien | Mühlacker | Münchner Stadtwerke | SWM | Solar-Institut Jülich | Solarenergie | Windkraft
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