Viele Unternehmen bieten Ladestationen für Elektrofahrzeuge an. Die Kosten sind gering und das Produkt steht für Aufbruch und Zukunft. Leider fehlen bisher einheitliche Standards. Bis diese in Brüssel errungen sind, könnte sich bereits ein anderes System durchgesetzt haben.
von Rouven Zietz
Im Jahr 2020 sollen 1 Mio. Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. Das hat die Bundesregierung bereits im August 2009 beschlossen. Damit das auch klappt, verdoppelte das Kabinett jüngst den Forschungsetat im Bereich der Elektromobilität auf 1 Mrd. €. Forscher sollen verstärkt an Batterien feilen, um sie günstig und leistungsfähiger zu machen. Eine Umfrage des Bundesverkehrsministeriums im Internet ergab, dass 67 % der Teilnehmer ein Elektroauto kaufen würden, wenn Preis und Leistung äquivalent zueinander sind. 49 % gaben an, dass ein Elektroauto in Sachen Komfort, Sicherheit und Verlässlichkeit einem konventionellen Fahrzeug entsprechen müsse. Nur 10 % würden sich aus Imagegründen ein Elektrofahrzeug zulegen wollen.
Laden zur Arbeitszeit
Während die einen Forschen und versuchen die Elektromobilität praxistauglich zu machen, gibt es zum Thema Strom laden schon viele Produkte auf dem Markt. Das gängigste Modell sind Zapfsäulen, mit denen der Fahrer sein Auto mit einem Kabel verbindet. Bis das Auto vollständig aufgeladen ist, dauert es acht Stunden. Die Akkus in drei Stunden zu füllen, ist ebenfalls
Aufgeladen: Manfred Resch von der Schletter GmbH zapft Strom für den firmeneigenen Mitsubishi i-Miev im bayerischen Kirchdorf. Die P-Charge-Ladestation stammt von Schletter.
möglich. Allerdings verringert das die Lebenszeit der teuren Batterien massiv. Da ein Auto in der Regel zu 90 % steht und während der Arbeit und in der Nacht nicht benutzt wird, sollte die lange Beladungszeit kein großes Problem sein, sagen zumindest die Hersteller der Ladestationen. Eine sinnvolle Verbindung kann ein Carport mit einer Elektroladestation sein. Der gewonnene Solarstrom kann sofort ins Fahrzeug eingespeist werden. Die Schletter GmbH, die vorallem für ihre PV-Montagesysteme bekannt ist, hat ein solches Gesamtpaket mit Carport und Ladestation seit 2009 im Angebot. Die Einspeisung ins Stromnetz ist wegen der Förderung noch attraktiver, aber dies könnte sich in naher Zukunft ändern.
Ihre P-Charge Elektroladestationen verkauft Schletter bisher über seine Kunden indirekt an Supermärkte, Parkhäuser oder Kommunen, die sich für neue Mobilitätskonzepte stark machen. Neben Säulen mit einfachen Identifikationssystemen ohne Zahlvorgang, gibt es auch Säulen mit vernetzten Abrechnungssystemen. Diese sind um ein vielfaches teurer als die einfachen Modelle und bisher auf dem Markt kaum gefragt. In Deutschland sind erst 2200 Elektrofahrzeuge unterwegs und Infrastrukturen bestehen nur in Testregionen.
Trotzdem ist die Zahl der Hersteller von Ladestationen beträchtlich. Grund: Die Produktionskosten sind gering und viele Unternehmen aus verwandten Branchen wie etwa Automatenhersteller oder aus dem Aluminiumbau sehen in dieser Sparte neue Absatzmärkte.
Noch ist es notwendig an den Zapfsäulen verschiedene Steckdosen anzubringen. Die Autobauer (kleine Auswahl siehe Seite 84) konnten sich nicht auf einen Schnittstellentyp einigen. „Das sind noch Kinderkrankheiten, die hoffentlich eines Tages behoben sind,“ sagt Manfred Resch, Leiter der Abteilung Energiesysteme bei Schletter. Ähnlich wie bei den Handysteckern geht Resch davon aus, dass es für diesen Fall irgendwann eine EU-Richtlinie geben werde. Doch wann die kommt, ist noch ungewiss und ob Hersteller außerhalb der EU bereit sind ihre Systeme einer europäischen Norm anzupassen, ist fraglich.
Mehr Komfort als heute
Wie die bereits benannte Umfrage des Bundesverkehrsministeriums zeigte, wollen die Autofahrer nicht auf ihren Komfort verzichten. Eine neue Entwicklung bei der Stromübertragung könnte diesen Wunsch vielleicht erfüllen: Die Induktionsladung. Diese Technik macht es möglich, sein Elektrofahrzeug ohne Kabel und ohne Berührung aufzuladen.
So funktioniert es: Auf einem Parkplatz im Boden sind flache Induktionsplatten (Primärspule) angebracht, die mit dem Stromnetz verbunden sind. Der Autofahrer muss sein Fahrzeug mit dem Gegenstück (Sekundärspule) direkt unter die Primärspule fahren, damit ein Kontakt zustande kommt. Per Datenübertragung erkennt das System wie viel Strom das Fahrzeug braucht und ob der Fahrer berechtigt ist, Strom zu zapfen. Der Ladevorgang kann beginnen.
In Turin und in Bruchsal testen seit einigen Jahren zwei Busunternehmen die Technik. An den Endehaltestellen bleiben die Fahrzeugflotten stehen und „betanken“ ihre Batterien bevor sie wieder auf ihre Route zurückkehren. Neben dem bequemen Laden hat die Technik noch weitere Vorteile: Eine Infrastruktur mit Induktionsladung im öffentlichen Raum ist leichter vor Vandalismus geschützt. Zudem könnte die Technik später die Übertragung vom Akku ins Netz erleichtern.
Manfred Resch ist von der Induktionsladung noch nicht überzeugt. „In Sachen Sicherheit muss noch einiges erforscht werden, schließlich erfolgt die Übertragung durch ein Wechselmagnetfeld,“ sagt er. Auf der Intersolar präsentierte Schletter aus der P-Charge-Reihe eine neue intelligente Ladebox, die für Firmen-Fuhrparks und die heimische Garage geeignet ist. Per Internet teilt der Kunde der Box mit, wann das Auto betankt werden soll. Das ist ein weiterer Schritt ins Smart-Grid-Zeitalter und zeigt: Bis 1 Mio. Elektroautos unterwegs sind, werden beide Techniken ihre Nische gefunden haben.