Gasmotorenöle erfüllen im Herzen einer Biogasanlage eine wichtige Funktion. Allerdings ignorieren Betreiber zu oft sträflich die Erfahrungen der Öl-Hersteller. Und das, obwohl sich leicht Kosten senken und die Betriebssicherheit erhöhen läßt. Das behauptet zumindest Martin Lambrecht von der BayWa AG.
von Rouven Zietz
Die Vorgaben der Motorenhersteller liegen in jeder Biogasanlage vor. Ob sie bei der großen Anzahl von Bedingungen bekannt sind, ist allerdings eine andere Frage“, sagt Martin Lambrecht, Produktmanager für Tectrol Schmierstoffe bei der BayWa AG in München. Um zu zeigen, dass die Öl-Hersteller regelmäßige Analysen empfehlen, hat Martin Lambrecht für joule verschiedene Auszüge aus aktuell gültigen Betriebsanleitungen zusammengestellt. Die Hersteller sind nicht genannt. Betreiber haben die Möglichkeit zu checken, ob sie ihren Hersteller erkennen:
„Auf Grund der hohen thermischen Belastung des Schmieröles und dessen damit einhergehender Alterung bzw. Oxidation empfehlen wir dringend, das Ölwechselintervall grundsätzlich auf maximal 300 Bh im Biogaseinsatz und auf maximal 800 Bh im Erdgaseinsatz festzulegen. Das Ölwechselintervall muss individuell durch Ölanalysen im Betrieb bestätigt werden, d.h. in Abhängigkeit der Öl-Kennwerte ist unter Umständen eine weitere Verkürzung erforderlich bzw. Verlängerung der Ölwechselintervalle möglich.“
„Eventuell noch im Motor befindliches Einlauföl gegen das Betriebsöl ersetzen! Ab diesem Zeitpunkt sind im Zeitraum von jeweils 150 Bh (bei Deponiegas- und Biogas nach 75 Bh), Gebrauchtölproben zu ziehen (siehe DIN 51574).“
„Es ist deshalb erforderlich, für jede Anlage die Schmierölwechselintervalle durch Schmierölanalysen zu ermitteln. Die erste Schmierölanalyse ist, unabhängig von der Gasart, nach 100 Betriebsstunden durchzuführen. Durch geeignete Wahl der Zeitabstände der Schmierölanalysen kann das Schmieröl bis zum Erreichen der Grenzwerte genutzt werden.“
„Die Schmierölstandzeit ist abhängig von der Gasqualität, der Schmierölqualität, den Umgebungsbedingungen und der Betriebsweise des Motors. Deshalb ist es erforderlich, für jede Anlage die Schmierölwechselintervalle durch Gebrauchtölanalysen zu ermitteln. Die erste Analyse ist bei Biogasen nach 100 Bh, bei den übrigen Gasarten nach 300 Bh durchzuführen. Die weiteren Analyseintervalle und der erforderliche Schmierölwechsel ist zwischen Betreiber und Labor abzusprechen.“
In einem Punkt sind sich alle einig. Gebrauchtölanalysen sind notwendig. Nur durch eine „lückenlose“ Schmierölanalytik ist es möglich, auf die Gegebenheiten einzugehen und aus den gewonnenen Informationen schnellstmöglich zu reagieren bzw. viel besser zu agieren.
Fazit
Um einen effektiven Betrieb zu erreichen, ist es erforderlich, mögliche Potenziale zu definieren und zu realisieren. Unter anderem mit permanenten
Gebrauchtölanalysen wird die Basis für den kostenoptimierten Einsatz von Gasmotorenölen geschaffen. Gebrauchtölanalysen sind die Grundlagen für bevorstehende Wartungsarbeiten, präventive Maßnehmen und helfen teure Stillstandszeiten zu vermeiden.
„Unabhängig und schnell sein“
joule: Herr Niedermeier, es genügt doch, wenn ein Biogas-Betreiber sein Schmieröl selbst analysiert, oder?
Meiner Meinung nach genügt es nicht, dass der Betreiber sein Schmieröl auf eigene Faust analysiert, da er einen kompetenten Fachmann an seiner Seite benötigt, welcher die Ölanalyse interpretiert und somit eventuellen Schäden entgegenwirken und Ursachenforschung betreiben kann.
joule: Wenn ich mich als Betreiber für externe Analysen entscheide, auf was muss ich bei der Auswahl des Dienstleisters achten?
Der Dienstleister sollte unabhängig sein und alle Schmierstoffe analysieren können. Er sollte zudem über moderne Geräte und Analysetechniken verfügen. Gute Dienstleister erkennt man daran, dass sie eine Standardanalyse in 48 Stunden und Expressanalysen innerhalb von 24 Stunden anbieten.
joule: Welche Faktoren führen dazu, dass das Öl immer schlechter wird?
Hohe Verbrennungstemperaturen führen zu höheren Öltemperaturen, dies wiederum führt zu einer schnelleren Ölalterung. Dies wird durch den Einfluss von Sauerstoff und Verschleißmetallen noch verstärkt. Ein weiterer Punkt ist die Gasqualität. Ein häufiges Problem ist Schwefelwasserstoff im Bio-gas. Bei der Verbrennung im Motor entsteht unter anderem auch Wasser. Die Verbindung aus H2S und Wasser ergibt eine schwefelige Säure. Dadurch wird das Öl sauer und es setzt Korrosion im Motor ein.
joule: Was ist ein normaler Wechselrhythmus von Schmierölen in Biogasanlagen?
Eine Faustformel im Bereich Biogas besagt, dass alle 400 Stunden ein Ölwechsel durchgeführt werden soll. Dies ist allerdings in der Praxis wenig verlässlich, da Einflussfaktoren wie Ölvolumen und Gasqualität ausschlaggebend sind für die Einsatzdauer des Schmieröles.
Die Fragen stellte Rouven Zietz