in wenig sieht es schon aus wie ein Mondfahrzeug. Mit seinen vier
Rädern wühlt es sich durch den Schlamm. „Elektrisches Schwein“ haben es
daher seine „Väter“ von der Firma Thermo-System genannt. In einer
gewächshausartigen Halle auf dem Betrieb von Thomas Karle in Füßbach in
der Nähe von Kupferzell (Baden-Württemberg) besteht seine Aufgabe
darin, Gärrest zu wenden, damit er trocknen kann. Denn durch die
Verdunstung würde sich schnell eine Kruste bilden.
In einer Gewächshaus ähnlichen Halle werden Gärreste mit der Abwärme des BHKW und durch die Sonneneinstrahlung getrocknet.
© Thermo-System
Hauptwärmequelle ist
das BHKW der 500 kW-Biogasanlage; der Trocknungsprozess wird durch die
Sonne unterstützt. Über Wasser-Luft-Wärmetauscher wird die
Luft in der Halle erwärmt, zusätzlich ist eine Fußbodenheizung im
Hallenboden eingelassen. Um den Durchsatz an Trockensubstanz zu
erhöhen, wird eine Separation vorgeschaltet. „Der Gärrest läuft erst
über einen Dekanter, sodass er mit einem TS-Gehalt von 23 Prozent in
die Trocknung kommt“, berichtet Thomas Karle. Durch Nutzen der
Sonnenenergie und der BHKW-Abwärme sind die Betriebskosten sehr
niedrig. Den Aufwand an elektrischer Energie beziffert Björn Buntrock
von der Firma Thermo-System mit 30 bis 50 kWh je Tonne Wasserentzug.
Ein weiterer Vorteil: Die Trocknung lässt sich einfach in vorhandene
Biogasanlagen einfügen. Über verschiedene Pumpensysteme kann die
Beschickung automatisiert werden. Auch der Trocknungsprozess selbst
wird über eine Prozess-Steuerung ohne Eingreifen des Betreibers
geregelt. Sensoren erfassen, wie hoch Temperatur und Luftfeuchtigkeit
sind, wie intensiv die Sonne scheint und wie feucht das zu trocknende
Material ist. Die Messwerte steuern einerseits das Wendeaggregat, als
auch die Umluft- und Abluftventilatoren, die im Deckenbereich und an
den Giebelseiten der Halle eingebaut sind. Sie sorgen für den
notwendigen Luftaustausch im Trocknungsbereich.
Wie lange die Trocknung
dauert, hängt von der Menge und Feuchtigkeit des Gärrestes zu Beginn
des Trocknungsvorganges ab und wie stark getrocknet werden soll – und
wie viel Wärme zur Verfügung steht. Im Sommer dauert es im Betrieb
Karle fünf Tage, um 90 t vorentwässerten Gärrest zu trocknen. Im Winter
sind es zwei Wochen. „Das liegt daran, dass unser Nahwärmenetz
Priorität hat“, erläutert Karle. In der Praxis laufen in Deutschland
acht Anlagen zum Trocknen von Gärresten. Die Thermo-System-Trocknung
arbeitet im Batch-Verfahren. Dazu wird die Halle entweder wie im
Betrieb Karle über eine Pumpe mit dem flüssigen Gärrest befüllt. Sie
kann aber auch mit Förderbändern oder direkt vom Transportfahrzeug
beschickt werden. Der getrocknete Gärrest kann mit dem Radlader geräumt
werden. „Das dauert nicht länger als zehn Minuten“, so Thomas Karle.
Bekanntheit hat Karle bereits mit der Vermarktung des getrockneten
Gärrestes erlangt. Er selbst spricht lieber vom „Gärprodukt“. Denn aus
dem Reststoff wurde ein hochwertiger Gartendünger, der an
Endverbraucher vermarktet wird. Der Trockensubstanzgehalt kann bei der
Anlage von Thermo-System im Batch-Verfahren bis zu 90 Prozent betragen
– ganz nach Bedarf und späterer Verwendung des Gärproduktes. Für die
Vermarktung als
Dünger in Form von Pellets hat es sich jedoch nach den
Erfahrungen von Thomas Karle als besser erwiesen, nicht zu hoch zu
trocknen – dann staubt es weniger.
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