Der Biogasbranche stehen unruhige Zeiten bevor. Die 21. Jahrestagung des Fachverbandes Biogas in Bremen zeigte, noch weiß die Branche nicht, wie sie auf das novellierte EEG reagieren soll.
Kommentar von Rouven Zietz
Bremen – „Es geht weiter“, antwortete Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas, nüchtern auf die Frage, welches Signal die diesjährige Biogas Jahrestagung aussendet. „Es geht weiter.“
Das es weitergeht ist vorauszusehen, zumal noch viele Firmen Aufträge aus dem turbulenten Jahr 2011 abzuarbeiten haben. Doch was danach kommt, wagt noch keiner vorauszusagen ¬– zumindest sind die Optimisten verstummt und Horrorszenarien wollte niemand, auch aufgrund des erfolgreichen vergangenen Jahres, heraufbeschwören. „Das wäre Kaffeesatzleserei“, brachte es Pellmeyer auf den Punkt.
Ernüchterung war zu spüren
Aber die Ratlosigkeit und Enttäuschung über das verkorkste EEG war auf der Jahrestagung in Bremen deutlich zu spüren. Trotz aller Bemühungen und auch nennenswerter Erfolge (es hätte noch schlimmer kommen können) , die der Fachverband in der Novellierungsphase in Berlin erreichte, ist das EEG 2012 ein schwerer Schlag für die Biogasbranche.
joule-Redakteur Rouven Zietz
Die Maisdeckelung von 60 Masseprozent pro Anlage mag zwar außerhalb der Branche auf breite Zustimmung stoßen, doch nachhaltig ist diese Regelung nicht. Nur 1/4 der angebauten Nutzpflanze landet in Biogasanlagen, der Rest ist Futtermais. Es gibt noch kein weiteres Substrat, das annähernd einen Energiegehalt wie Mais hervorbringt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, das der Flächenbedarf für Biogassubstrate zunehmen wird.
Schwierige Verhandlung mit dem Nachbarn
Der Zwang für mindestens 60 Prozent der Abwärme ein Wärmekonzept vorzulegen, versetzt zukünftige Betreiber in eine prekäre Situation. Anlagen lassen sich schwieriger finanzieren, denn die Banken werden sich noch mehr absichern müssen. Ein Wärmekonzept in der Anlagenplanungsphase mit den Nachbarn auszuhandeln, drängt den Investor in eine ungünstige Verhandlungsposition, wenn es um Preise für die Wärmelieferung geht. Die Praxis zeigt, dass es oft Jahre braucht, bis etwa Nachbarn vertrauen finden und sich ein vernünftiges Wärmenetz aufbauen lässt.
Wer der Regelung zur Wärmenutzung entkommen will, kann in die Direktvermarktung
Besucher auf begleitenden Messe zur 21. Jahrestagung des Fachverbandes Biogas (Foto: Fachverband Biogas).
wechseln. Hier lohnt es sich, nicht gleich langjährige Verträge mit Vermarktern abzuschließen. Beratungsstellen und Experten raten Betreibern nicht ohne Rechtsbeihilfe einen Vertrag zu unterschreiben, denn ohne das Kleingedruckte zu lesen könnten lukrativ klingende Verträge sich ins Gegenteil verkehren. Aber zum Thema Marktprämie werden die Erfahrungen der Branche in den nächsten Monaten wohl einen vernünftigen Weg aufzeigen.
Ein weiterer Makel des EEG 2012 ist das Versäumnis, den Anlagenbegriff nicht eindeutig zu definieren. Somit bleibt weiterhin Rechtsunsicherheit bestehen. Ein endgültiges Urteil vom Bundesgerichtshof wird erst in einigen Jahren erwartet. Die Gefahr bleibt, dass Betreibern rückwirkend Vergütungen auf Jahre hinaus abgesprochen werden könnten. Sollte das so kommen, droht vielen die Insolvenz.
Wollen Biogasunternehmen in Zukunft wirtschaftlich zulegen, müssen sie im Ausland neue Märkte für ihre Produkte finden. Der Fachverband Biogas will die Unternehmen dabei unterstützen. Doch, sein Glück im Ausland zu finden, ist problematisch, denn oft lassen sich Projekte nicht finanzieren, weil die Banken vor Ort noch keine Erfahrungen mit Biogas haben. In vielen Unternehmen fehlt es noch an Erfahrung mit Auslandsgeschäften, andere hingegen sind gut aufgestellt und bereits länger außerhalb Deutschlands geschäftlich aktiv.
Branche hat ihre Stärke schon oft bewiesen
Trotz all dieser Punkte, die die Biogasbranche nicht optimistisch in die Zukunft blicken lassen, muss sie dieses EEG nicht zu Boden reißen. Die Branche hat schon oft bewiesen, welche Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit in ihr steckt. Die bevorstehende Konsolidierungsphase gibt den Unternehmen die Chance, ihre Leistungen effizienter und wettbewerbsfähiger aufzustellen und neue Erlösmodelle zu finden. Betreiber und potenzielle Investoren profitieren in Zukunft von fallenden Preisen durch einen verstärkten Wettbewerb. Der Nachfragemarkt entwickelt sich zum Anbietermarkt.
Es geht also weiter. Genauer: Die Branche muss einen Schritt weitergehen, um ihr vielseitiges Talent noch mehr zu nutzen.