Autos müssen umweltfreundlicher werden. Alternative Kraftstoffe gewinnen da wieder an Bedeutung, nicht zuletzt, weil sich damit auch die vorhandenen Fahrzeuge betreiben lassen.
von Thomas Gaul
Zehn Prozent der Kraftstoffe sollen bis 2020 aus
nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden, wie es die
Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU vorschreibt. Die Diskussion über
Elektromobilität ist im Moment allgegenwärtig. Doch bis tatsächlich
Elektroautos in zahlenmäßig größerem Umfang über die Straßen rollen,
dürfte bei allem Optimismus noch einige Zeit vergehen.
Da Bioethanol Schwächen bei der Nachhaltigkeit aufweist, sollte künftig verstärkt auf synthetischen Biodiesel und hydrierte Pflanzenfette gesetzt werden, empfiehlt die dena-Studie.
Auch der
Bundesregierung ist bewusst, dass zum Erreichen ihrer klimapolitischen
Ziele vor allem die konventionell angetriebenen Autos beitragen müssen,
die derzeit im Bestand sind. Das stellte Clemens Neumann, Staatssekretär
im Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(BMELV), auf einer Fachtagung in Berlin klar: „Bei einem Fahrzeugbestand
von 41 Mio. wird der Verbrennungsmotor seine dominierende Stellung
behalten.“
E 10 im Kommen
Von daher rücken Biokraftstoffe
wieder stärker in den Blickpunkt. Sie sind die einzige Alternative zu
fossilem Benzin und Diesel. Das zeigt auch eine aktuelle Analyse des
Deutschen Biomasse-Forschungszentrums (DBFZ). Demnach müssen die
Biokraftstoffe in Deutschland zwischen fünf und acht Prozentpunkte zum
Ziel der EU beitragen, 10 % Erneuerbare Energien im Verkehrssektor zu
haben. 2009 haben Biokraftstoffe in Deutschland 2,9 Mio. t Rohöl ersetzt
und 5,5 % des Kraftstoffbedarfs gedeckt. Allerdings steigen die
Anforderungen an den Biosprit hinsichtlich einer nachhaltigen
Bereitstellung und Nutzung, aber auch mit Blick auf die
Kraftstoffqualität, die mit den modernen Motoren kompatibel sein und einen
effizienten Betrieb des Fahrzeugs gewährleisten muss.
Welche Rolle spielen
Biokraftstoffe überhaupt noch in den Strategien der Hersteller? Die
Verantwortlichen in der Automobilindustrie sehen gerade auf längeren
Strecken noch Potenzial für biogene Treibstoffe. Solange die Reichweiten
der Elektrofahrzeuge deutlich begrenzt sind, werden zumindest für längere
Strecken weiterhin flüssige oder gasförmige Energieträger benötigt, die
eine vergleichsweise höhere Energiedichte aufweisen. Der Beitrag der
Elektrofahrzeuge zum Klimaziel der EU dürfte aus Sicht von Wissenschaft
und Automobilherstellern sehr begrenzt sein.
„Wir suchen schrittweise nach
Alternativen zum Erdöl“, beschreibt Dr. Jakob Seiler vom Verband der
Automobilindustrie (VDA) die Strategie. Der eine Treibstoff schlechthin
ist ohnehin nicht in Sicht, vielmehr wird es ein Fächer neuer Kraftstoffe
sein.
Vor der Tür steht praktisch die Einführung des neuen Kraftstoffes
E10. Dabei handelt es sich um Benzin, dem 10 % Ethanol beigemischt werden.
Bereits vor zwei Jahren sollte E10 in Deutschland angeboten werden. Damals
scheiterte das Vorhaben jedoch an Bedenken des Allgemeinen Deutschen
Automobil-Clubs (ADAC) hinsichtlich der hohen Anzahl von Fahrzeugen, die
nicht für E10 freigegeben sind. Um eine neue Diskussion um die
Verträglichkeit dieses Kraftstoffes für die Motoren älterer Fahrzeuge zu
vermeiden, wird es möglicherweise mit E3 einen weiteren neuen
Biokraftstoff geben. Tankstellen, die zukünftig E10 anbieten, müssen
außerdem auch E5-Benzin mit 5 % Bioethanol verkaufen. Damit ist
sichergestellt, dass vor allem Altfahrzeuge ausländischer Hersteller
weiterhin betankt werden können, die nicht für E10 freigegeben sind.
Zweite
Generation stockt
Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu
einem „Dieselmarkt“ entwickelt: Der Kraftstoff für die Selbstzünder hat
inzwischen einen Marktanteil von 56 %. Der Anteil von Biodiesel beträgt
allerdings nur 4,2 %. Einige Automobilhersteller sehen die Entwicklung
beim Diesel kritisch, weil es der erste fossile Treibstoff sein könnte,
bei dem es zu einer Verknappung am Markt kommt. Und die Entwicklung bei
den Biokraftstoffen läuft vor allem durch die relativ kurzkettigen
Kohlenwasserstoffmoleküle eher in Richtung Ottokraftstoff als in Richtung
Diesel. Für Biodiesel gibt es derzeit keine Zulassung in Fahrzeugen mit
Dieselpartikelfilter.
Wenn Biodiesel in Fahrzeugen eingesetzt werden
soll, die die künftige Abgasnorm „Euro 6“ erfüllen, muss seine chemische
Struktur verändert werden. Ein Ansatz könnte die Pflanzenzüchtung sein, um
die Siedelinie des Rapsöls herabzusetzen. Zugleich muss auch der Phosphor-
und Metallgehalt unter die Werte der gültigen Biodiesel-Norm gesenkt
werden, um die Abgasreinigung nicht zu zerstören. Weniger Probleme sind
aufgrund des anderen Nutzungsprofils bei LKW zu erwarten. Björn Dietrich,
geschäftsführender Wissenschaftler des Forschungsnetzwerkes Biogene
Kraftstoffe in Straubing, geht davon aus, dass Biodiesel als
Reinkraftstoff im Güterverkehr wieder stärker an Bedeutung gewinnt. Darauf
deuten auch einige Neuheiten der LKW-Hersteller hin, die Ende September
auf der IAA Nutzfahrzeuge vorgestellt wurden.
Schwerpunkt der
Anstrengungen in Forschung und Entwicklung ist es, einen Biotreibstoff der
sogenannten zweiten Generation aus Lignozellulose auf den Markt zu
bringen. Dabei wird Biomasse mit Enzymen aufgeschlossen, um daraus Ethanol
herzustellen. Allerdings sollte auch hierzulande längst BtL
(Biomass-to-liquid) in industriellem Maßstab hergestellt werden. Im
sächsischen Freiberg liegt die Firma Choren aber weit hinter ihrem eigenen
Zeitplan zurück, einen neuartigen Biokraftstoff nach dem
Fischer-Tropsch-Verfahren zu produzieren. Ruhig geworden ist es auch um
die kanadische Firma Iogen, die Stroh als Basis ihrer
Biokraftstoff-Produktion verwenden wollte.
Auch Firmen aus den USA
arbeiten an der Thematik, dabei werden sie durch die Steuergesetzgebung
begünstigt, die bessere Rahmenbedingungen für Treibstoff aus
Lignozellulose vorsieht. Hierzulande soll eine Demonstrationsanlage nach
dem „sunliquid“-Verfahren 2011 in Straubing in Betrieb gehen. Dabei werden
zellulosebasierte Pflanzenbestandteile, wie Stroh von Weizen oder Mais,
mit biotechnologisch hergestellten Enzymen zunächst in Zuckerbestandteile
umgewandelt, aus denen anschließend Bioethanol gewonnen wird.
Der
Grund, warum intensiv an der Verwendung von Biomasse aus Holzresten, Stroh
und organischen Abfällen gearbeitet wird, ist die Verbesserung der
Klimabilanz. Denn derzeit wird bei der geltenden Beimischquote von
insgesamt 5,25 % der Energiegehalt des einzelnen Kraftstoffs
zugrundegelegt. Ab 2015 muss die Mineralölwirtschaft die CO2-Minderung
ausweisen, den der Einsatz der Biokraftstoffe im Vergleich zu fossilen
Kraftstoffen bringt. Betrachtet wird dabei die gesamte Produktionskette
vom Feld bis zum Tank. Somit hängt es auch davon ab, mit wie viel
Stickstoff der
Landwirt den Raps düngt, aus dem später Biodiesel
hergestellt wird.
Eine weitere Studie des DBFZ Leipzig zeigt anhand von
Beispielrechnungen, wie sich die Produktionskette von Biodiesel aus Raps
gegenüber den Standardwerten um 46 % verbessern lässt. Durch eine
Optimierung der
Düngung und die Umstellung des Schleppers auf Biodiesel
konnten die Werte von 29 kg/GJ RME (Biodiesel) auf 21 kg verbessert
werden. Weitere Verbesserungen ergaben sich durch die Umstellung der
Energieträger bei der Prozesswärmeversorgung. „Unter technologieoffenen
Rahmenbedingungen haben Biokraftstoffe sehr gute Voraussetzungen, im
Wettbewerb um die kosteneffizienteste CO2-Vermeidung zu bestehen“, betont
Klaus Picard.
Und Biogas?
Der Geschäftsführer des
Mineralölwirtschaftsverbandes erwartet, dass Biokraftstoffproduzenten als
CO2-Minderer betrachtet werden: „Künftig wird wichtig sein, wie wenig CO2
der Kraftstoff je Liter liefert.“ Über das CO2-Minderungspotenzial könnte
auch das Problem der Flächenkonkurrenz gelöst werden, weil die
CO2-Belastung durch eine indirekte Landnutzungsänderung angerechnet wird.
Bei der Diskussion um das Biokraftstoff-Quotengesetz wird leicht
vergessen, dass es hier nicht nur um flüssige Energieträger geht. Dabei
ist Biomethan in das Quotengesetz einbezogen, steht heute ausreichend zur
Verfügung und könnte in den vorhandenen Erdgasfahrzeugen ohne technische
Umrüstung getankt werden.
Doch taugt das aufbereitete Biogas als
Hoffnungsträger für eine saubere Autozukunft? Immerhin waren Anfang des
Jahres knapp 70.000 PKW mit Erdgasantrieb zugelassen, die theoretisch auch
Biomethan tanken könnten. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von
12,8 %. Gefördert wird der Trend noch durch die Steuervorteile, die
allerdings 2018 auslaufen. Hinzu kommt, dass die Modellpalette bei
Erdgasfahrzeugen Lücken aufweist und manche Hersteller gar keine Fahrzeuge
mit diesem alternativen Antrieb mehr anbieten.