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Business | 26.07.2011 Redaktion Joule

Energie für Fortgeschrittene

An der Universität Kassel können junge Leute mit einem Bachelor in Naturwissenschaften oder einem Ingenieursstudium den Masterstudiengang re² absovieren.

von Catrin Hahn
 
Die Uni Kassel, mit etwa 20.000 Studenten eine mittelgroße deutsche Hochschule, ist 40 Jahre alt und bietet Studiengänge in 16 Fachbereichen an.© Hahn
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Die Uni Kassel, mit etwa 20.000 Studenten eine mittelgroße deutsche Hochschule, ist 40 Jahre alt und bietet Studiengänge in 16 Fachbereichen an.
© Hahn
In Deutschland gibt es inzwischen schwindelerregende 300 Studiengänge zum Thema Erneuerbare Energien. Also lautet die Frage an Prof. Dr. Klaus Vajen: Ist das kein Grund, sich Gedanken zu machen, ob das eigene Angebot irgendwann nicht mehr nachgefragt wird? Die Antwort kommt prompt: „Wir haben da gar keine Sorgen. Wir haben im deutschsprachigen Raum ein Alleinstellungsmerkmal. Wir bieten für Leute mit ganz verschiedenen Ausbildungs-Herkünften einen kompakten Masterstudiengang mit hervorragenden Inhalten an.“
 
Klaus Vajen muss das wissen. Er hat diesen Studiengang selbst mit ins Leben gerufen. Nach seiner Berufung an die Uni Kassel vor zehn Jahren hat er sich umgehend mit Fachkollegen aus ähnlich gelagerten Fachbereichen zusammengesetzt. Die waren interessiert. Nach drei Jahren gemeinsamer Arbeit ging 2005 der neue Studiengang re² an den Start (www.energie.uni-kassel.de).
 
Für Professor Vajen war das nichts weiter als die logische Zusammenführung vorhandener Kapazitäten. „Die Uni hat ein riesiges Angebot in diesem Bereich. In unserem Studiengang sind fünf Fachbereiche vernetzt. Neben dem federführenden Bereich Maschinenbau sind das Architektur; Ökologische Agrarwissenschaften; Bauingenieurwesen und Elektrotechnik. Fünfzehn Professoren und ihre Lehrgebiete sind insgesamt beteiligt.“
 
Energie-Quereinsteiger
 
Über mangelnde Arbeitsangebote können sich Absolventen dieses Studienganges in absehbarer Zeit nicht beschweren.© Hahn
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Über mangelnde Arbeitsangebote können sich Absolventen dieses Studienganges in absehbarer Zeit nicht beschweren.
© Hahn
Die Entscheidung für einen Masterstudiengang wurde ganz bewusst gefällt: „So sind wir das klassische Quereinsteigerstudium. Leute mit einem Abschluss in Ingenieur- oder Naturwissenschaften kommen hierher.“ Aber ist das nicht ein bisschen kompliziert, Leute mit so unterschiedlichem Vorwissen in nur drei oder vier Semestern auf einen einheitlichen Stand zu bringen und zum Master zu machen? „Eher nicht“, meint Professor Vajen. „Wir haben ein paar Pflichtfächer, wer die schon hatte, braucht sie hier nicht mehr zu besuchen. Der kann sich dann Wahlpflichtfächer aussuchen. Es ist eher so, dass die Studenten die unterschiedliche fachliche Herkunft als Bereicherung begreifen.“
 
Und unterschiedlich sind die Herkünfte nicht nur, was die Ausbildung angeht: Nur 15 % der jungen Leute haben auch ihr Erststudium in Kassel absolviert. Etwa 15 % kommen aus dem Ausland, die anderen 70 % aus der ganzen Republik. Auch das schweißt die jeweils 40 Neuimmatrikulierten natürlich eng zusammen: Dass die meisten von ihnen neu in dieser Stadt sind und sie nun gemeinsam mit den neuen Kommilitonen entdecken.
 
Und damit sind nicht nur die abendlichen Aktivitäten gemeint. Wohl kaum eine andere deutsche Stadt bietet so gute Voraussetzungen für einen Studiengang Regenerative Energien. Hier gibt es eine ganze Industrie, mit einem Schwerpunkt auf Solarenergie. Außerdem große Teile der Fraunhofer-Institute IWES (Windenergie und elektrische Systemtechnik) und IBP (Bauphysik). Diese europaweit wohl einmalige Konzen-tration ermöglicht ein Lehrangebot von über 100 Veranstaltungen und eine breite Palette an Abschlussarbeits-Themen. Über das Praktikum während des Studienganges findet so mancher gleich auf kurzem Wege seinen zukünftigen Arbeitgeber oder zumindest ein Thema für die Masterarbeit. Oder die Möglichkeit für höhere akademische Weihen, immerhin ein Drittel der Absolventen promoviert anschließend.
 
Von links: Charlotte Ellerbrok, Joshua Meink und Paul Jentsch studieren bei re². Christian Budig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit einem Jahr zuständig für die Koordination des Studienganges. Prof. Dr. Klaus Vajen hat ihn mit initiiert.© Hahn
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Von links: Charlotte Ellerbrok, Joshua Meink und Paul Jentsch studieren bei re². Christian Budig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit einem Jahr zuständig für die Koordination des Studienganges. Prof. Dr. Klaus Vajen hat ihn mit initiiert.
© Hahn
Ein interessantes Betätigungsfeld für die Studenten - und eine gute Möglichkeit, Spezialgebiet näher kennenzulernen - bietet das Projekt solarcampus (www.solarcampus.uni-kassel.de). Das existiert seit sechs Jahren und nützt sowohl den Studenten als auch der Uni: Die jungen Leute planen regenerative Energieanlagen und Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz an bzw. auf Unigebäuden. Dazu gehören z.B. PV-Anlagen auf drei Unigebäuden mit insgesamt 66 kWp Leistung oder die Wärmedämmung an älteren Gebäuden. Dieses Teilprojekt Energieeffizienz hat zum Ziel, den Energieverbrauch der 90 Uni-eigenen Gebäude zu senken.
 
Studentische Vielfalt
 
So abwechslungsreich wie die Angebote des Studienganges klingen auch die Biografien der Absolventen. Da wäre zum Beispiel Joshua Meink aus Detmold. Während seines Umwelttechnik-Studiums in Gießen war ihm klargeworden, dass ihn der Energieaspekt am meisten interessiert. So war der Masterstudiengang in Kassel, den er jetzt im dritten Semester besucht, sein nächstes Ziel. Dort fand er bei der näheren Beschäftigung mit allen Themenbereichen der Erneuerbaren Einergien heraus, dass ihn die Solarthermie besonders reizt. Mit dieser, vor allem in Großkraftwerken produziert, würde er sich gerne später beruflich befassen.
 
Der Studiengang ist überschaubar, die Arbeitsbedingungen sind gut.
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Der Studiengang ist überschaubar, die Arbeitsbedingungen sind gut.
Oder Charlotte Ellerbrok. Die junge Frau ist in mehrfacher Hinsicht eine Exotin in diesem Studiengang. Zum einen als Frau - die sind hier zwar nicht ganz so selten wie in reinen Ingenieursstudiengängen - aber von einer ausgewogenen Quote kann dennoch nicht die Rede sein. Zum anderen ihres Vorstudiums wegen. Die junge Frau aus Aachen ist Architektin. „Während des Architektur-Studiums hab ich gemerkt, das war noch nicht das, wo ich hinwollte“ - so begründet sie ihre Bewerbung in Kassel. „Energieefizienz wird ja gerade im Gebäudebereich immer wichtiger, das hat mich interessiert.“ Doch dafür musste sie eine Menge mehr tun als ihre Mitbewerber. Weil ihr Vorwissen im Bereich Naturwissenschaften fehlte, musste sie vieles zusätzlich absolvieren. „Und am Anfang war es auch ganz schön hart, in Chemie oder im Technikbereich musste ich viel mehr lernen als die anderen.“ Doch nun, im dritten Semester, ist das vergessen. Charlotte Ellerbrok ist da, wo sie hinwollte. Sie schreibt am Fraunhofer Institut ihre Masterarbeit über die „energieeffiziente Kommune“.
 
Angewandte Forschung
 
Paul Jentsch hatte in den ersten beiden Semestern wahrscheinlich weniger Schwierigkeiten mit dem Lehrstoff als Charlotte Ellerbrok. Der junge Mann aus Brandenburg hat schon ein Diplomstudium hinter sich. An der FH Nordhausen hat er regenerative Energietechnik studiert. Doch weil er merkte, dass ein FH-Diplom mancherorts nicht so schnell die Türen öffnet wie ein Masterabschluss, hat er sich in Kassel beworben. Nun ist er im vierten Semester und schreibt seine Masterarbeit darüber, wie er die örtliche Hütt-Brauerei über Energieeffizienz berät. Die profitiert übrigens nicht zum ersten Mal von den Energiesparexperten an der Uni: Auch eine Solaranlage hat sie sich in der Vergangenheit schon projektieren und bauen lassen.
 
Paul Jentsch hat Geschmack an der Energieberatung gefunden. Ob das sein späterer Beruf wird, weiß er aber noch nicht so ganz genau. Vielleicht zieht es ihn auch in die Wissenschaft. Mit dem Masterabschluss stehen ihm dann ja alle Türen offen.
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Keywords Business | Charlotte Ellerbrok | Erneuerbare Energien | Joshua Meink | Paul Jentsch | Prof. Dr. Klaus Vajen | Studium Erneuerbare Energien | Uni Kassel | Universität Kassel | regenerative Energietechnik | re²
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