Das kleine brandenburger Unternehmen hat eine neue Technologie für externe Entschwefelungsanlagen entwickelt. Die SulphPur-Technologie verspricht 60 % Energieeinsparung gegenüber der herkömmlichen Technik. Und sie arbeitet praktisch abwasserfrei.
von Catrin Hahn
S&H-Geschäftsführer Dr. Jörg Stockinger.
© Hahn
Die S&H Umweltengineering mit Sitz in Neukammer bei Nauen, Brandenburg, wurde Ende der 90er Jahre zum Zwecke der Produktion und des Vertriebs von Biofiltern und Entschwefelungsanlagen gegründet.
Nach einigen Querelen unter den Firmengründern erfolgte vor zwei Jahren so etwas wie ein Neustart des kleinen Unternehmens mit 15 Mitarbeitern (www.sh-umwelt.de). Zeitgleich und basierend auf langjährigen Erfahrungen mit externer biologischer Entschwefelung, wurde im Hause eine neue Entschwefelungstechnologie, die SulphPur Technologie, entwickelt und zur Marktreife gebracht.
Die Anlagen gibt es in vier Baugrößen von 2 bis 3,60 m Reaktor-Durchmesser. Die darin an Füllkörpern lebenden Bakterien wandeln Schwefelwasserstoff in elementaren Schwefel um.
© Hahn
Seit Mitte des vergangenen Jahres heißt der Geschäftsführer Dr. Jörg Stockinger. Der promovierte Chemiker erläutert, warum eine neue Technologie für die externe Biogasentschwefelung überhaupt nötig ist. „Die klassische biologische Entschwefelung ist ja in Ordnung. Wir haben davon bis heute mehr als 200 Anlagen in 18 Ländern fertiggestellt. Das Problem ist nur: diese herkömmlichen Biorieselreaktoren produzieren Schwefelsäure und brauchen sehr viel Wasser.“
Um das zu reduzieren und den Anforderungen des EEG und der TA Luft zu entsprechen, haben sich die Mitarbeiter von S&H Gedanken gemacht, wie die Entschwefelung preiswerter und ökologisch unbedenklicher durchzuführen wäre. „Ende 2009 hatten wir die Idee fertig“,sagt Stockinger „dabei ging es hauptsächlich um ein verändertes Wasser- und Temperaturregime. Nur einmal am Tag wird für fünf Minuten Feuchtigkeit in Form von Biogasgülle zugeführt, außerdem brauchen wir eine recht konstante Temperatur von 35° C. Dann produzieren die Bakterien im Reaktor elementaren Schwefel. Der geht zurück in die Biogasanlage.“ Seit kurzem
im Praxistest
Die neue Technologie wird seit Oktober vergangenen Jahre angeboten. Eine Referenzanlage ist schon seit einiger Zeit in Betrieb. Fünf weitere nehmen im ersten Halbjahr 2011 die Arbeit auf. Trotz der Mehrkosten von etwa 10.000 € gegenüber der klassischen externen Entschwefelung ist Stockinger mit der Resonanz zufrieden. Natürlich sei die Technologie noch am Anfang, und es ist durchaus von der Risikobereitschaft und der Aufgeschlossenheit des Anlagenbesitzers abhängig, wofür er sich entscheidet. „Aber das macht ja nichts, wir bieten ja beides an - der Kunde darf entscheiden, welcher Technologie er vertraut“, meint der Geschäftsführer lächelnd.