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Montag, 21.05.2012
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Business | 07.02.2012 Redaktion Joule

Ein stabiles Fundament

Ausbildung | Dieser Studiengang legt den Grundstein für eine ganz und gar nicht windige Karriere: Der neue Studiengang Windenergiesystemtechnik startet in Hannover.
von Thomas Gaul
 
Auf die Idee, in Hannover Windenergie studieren zu wollen, würde man nicht unbedingt kommen. Schließlich liegt die niedersächsische Landeshauptstadt 200 Kilometer von der Küste entfernt. Und doch haben die Ingenieure der Leibniz Universität Hannover auf diesem Gebiet eine bundesweit führende Stellung, die jetzt noch weiter ausgebaut wird: Im gerade endendem Wintersemester 2011/2012 ist der neue Masterstudiengang „Windenergiesystemtechnik“ gestartet. „Seit dem Jahr 2000 forschen wir auf diesem Gebiet“, sagt Professor Dr. Raimund Rolfes, der den neuen Studiengang leitet.
Schon damals ging es im sogenannten „Giga“-Projekt um die Fundamente von künftigen Offshore-Windenergieanlagen.
(Bild: iStockphoto_majana)
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(Bild: iStockphoto_majana)
 
Defizite in der Ausbildung
 
„Wir haben festgestellt, dass es bei der Ausbildung in diesem Bereich ein Defizit gibt“, sagt Rolfes. Und so reifte vor rund zweieinhalb Jahren bei ihm der Gedanke, in Hannover einen entsprechenden Studiengang aufzubauen. Denn hier wurde in den letzten Jahren ein neues Windenergie-Zentrum aufgebaut, das die Leibniz-Uni mit dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Bremerhaven betreibt. Die Leitung dieser Einrichtung übernimmt der 46-jährige Andreas Reuter, der ebenfalls erst in diesem Wintersemester die neu geschaffenen Professur für Windenergietechnik besetzt. Dabei kann er auf die Forschungserfolge von Rolfes und seinem Team aufbauen. 12 Uni-Institute sind in diesem Themenbereich in Hannover angesiedelt und miteinander vernetzt. Dabei wird eine enge Zusammenarbeit mit europäischen Forschungseinrichtungen und Verbänden der Windenergie gepflegt. Als Länder, in denen Windenergieforschung stattfindet, zählt Reuter insbesondere die Nachbarländer Niederlande, Dänemark, Norwegen, Spanien und auch Griechenland auf. Windenergie ist eben ein internationales Thema.
 
Für den neuen Studiengang sind in Hannover Bachelor-Absolventen der Fachrichtung Bauingenieurwesen oder verwandter Bereiche willkommen. „Die Studierenden können von der Uni oder der Fachhochschule kommen“, sagt Rolfes. „ Je nach Vorbildung schauen wir dann, ob noch zusätzliche Auflagen durch Kurse abgedeckt werden müssen.“
 
Ingenieursstudium
 
Wichtig ist Rolfes, der zugleich Fachstudienberater des neuen Studiengangs ist, dass Kenntnisse aus einem Ingenieurstudium vorhanden sind. Denn das ist etwas, was der Professor an manchen der rasch aufgelegten Studiengänge wie Umweltingenieurwesen kritisiert. Die Studierenden hätten sich dort mit Umwelt- und Gewässerschutz befasst, aber die Grundlagen eines Ingenieurstudiums wie Kenntnis im Bereich Mechanik würden sie nicht mitbringen. Zu Beginn der vier Semester werden fachübergreifende Inhalte gelehrt.
 
Damit soll gewährleistet werden, dass auch ein Elektroingenieur über die Grundlagen von Maschinenbau und Bauwesen Bescheid weiß. „Das ist der Blick über den Zaun“, erklärt Raimund Rolfes. Begleitet wird dies von der Windenergie-Vorlesung von Professor Reuter. „Dort erfährt man, wie eine Windenergieanlage aufgebaut ist und wie sie funktioniert“, sagt Rolfes über die Vorlesung seines Kollegen. Danach erfolgt eine fachliche Vertiefung in vier Bereichen: die Dimensionierung von Tragstrukturen; die Energiewandlung und Netzanbindung; Projektierung, Fertigung, Bau und Betrieb; Wind und mechanische Energieumwandlung. Rolfes hofft, dass die Studierenden danach mehr von der Technik und dem System Windenergieanlage verstehen.
 
Kleingruppenarbeit
 
Projektarbeit findet in Hannover in kleinen Gruppen statt. Positiv zu vermerken ist auch, dass der neue Studiengang mit einer Kapazität von 25 Studienplätzen noch überschaubar ist. Am Ende des vierten Semesters wird dann die Masterarbeit geschrieben. „Da können wir eine Fülle an Themen anbieten“, betont Rolfes. Denn neben den fachlichen Kontakten in das europäische Ausland sind auch die Beziehungen zur Industrie gut. Auch der neue Professor Andreas Reuter hat zuvor 15 Jahre in der Industrie gearbeitet. Dort war er für verschiedene Hersteller von Windkraftanlagen tätig.
 
Praktika und Auslandsaufenthalte sind grundsätzlich möglich, wie Raimund Rolfes im Gespräch unterstreicht. Von der Studienordnung sind sie zwar nicht obligatorisch - sie sind bereits im Bachelorstudium Pflicht - aber „besonders Auslandaufenthalte werden von uns unterstützt“.
 
A propos Studienordnung: Jeder Studierende muss zu Beginn des Semesters einen Studienplan vorlegen, berichtet Rolfes und lächelt verschmitzt: „Da schaue ich dann, ob er Kraut und Rüben studiert oder vernünftige Kurse belegt hat.“
 
Theoretische Grundlagen
 
Wichtig ist Rolfes, dass im ersten universitären Windenergiestudiengang in Deutschland tiefgehend die theoretischen Grundlagen für dieses Feld der regenerativen Energieerzeugung gelehrt werden. „Damit ist der Grundstein nicht nur für anspruchsvolle Aufgaben in der Industrie, sondern auch für eine wissenschaftliche Karriere gelegt.“
 
Rolfes ist sich sicher: „An der Windenergie - ob On-shore und Offshore - wird kein Weg vorbeiführen, seit Deutschland die Kernkraftwerke abschaltet.“ Der momentane Boom der Windenergie werde noch auf absehbare Zeit anhalten. Und selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass dies nicht mehr so wäre: Als Systemingenieur können die Absolventen in allen Sparten des Kraftwerksbaus Beschäftigung finden.
 
Gute Bedingungen
 
Und die Studienbedingungen in Hannover sind gut. Jüngst haben das Bundesumweltministerium und das Land Niedersachsen die Fördermittel für Lehre und Forschung der Windenergie aufgestockt. Deshalb kann eine fünf Millionen Euro teure Versuchshalle auf dem Uni-Campus in Marienwerder gebaut werden, in der zentrale Tragstrukturen von Windkraftturbinen nachgebaut werden sollen. Damit soll vor allem die Konstruktion von Offshore-Anlagen verbessert werden.
 
Zusammen mit anderen Instituten und privaten Firmen werden auch neue Materialien für den Anlagenbau getestet. Ein Projekt ist beispielsweise der „Timber Tower“, bei dem Beton und Stahl für den Mast durch Holz ersetzt werden.
 
Bewerbungen für den Studiengang „Windenergiesystemtechnik“ sind grundsätzlich zum Wintersemester möglich, das nächste Mal also für das Wintersemester 2012/2013. Freuen würde sich Raimund Rolfes besonders über Bewerbungen von Frauen - bisher sind in dem neuen Studiengang die Männer unter sich…
rlm
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