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[ » joule » Energie Trends » Ein Treibhausgas für die Energiewende ]
Sonntag, 19.05.2013
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Energie Trends | 04.05.2012 Redaktion Joule

Ein Treibhausgas für die Energiewende

Dem klimaschädlichen Treibhausgas CO2 steht eine neue Karriere als Retter der Energiewende bevor, jedenfalls wenn es nach den Initiatoren eines neuen Großprojektes geht.
Partner im Verbundprojekt iC4© joule/Anke Ralle
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Partner im Verbundprojekt iC4
© joule/Anke Ralle
Auf den ersten Blick wirkt es ganz einfach: Das Kohlendioxid, was in Kohlekraftwerken und in der Industrie entsteht, wird in Methan (CH4) umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist. Der Problemstoff CO2 wird zum Rohstoff der Energiespeicherung und zur Kohlenstoffquelle für chemische Grundstoffe. Das klingt nach einer sauberen Lösung und es wäre auch eine, aber wie immer gibt es noch einige Probleme aus dem Weg zu räumen. Dass in diesem Konzept ein enormes Potenzial steckt zeigt das Engagement großer Namen im Verbundprojekt „iC4 – Integrated Carbon Capture, Conversion and Cycling“, also die integrierte Abtrennung, Umwandlung und Nutzung von CO2. Neben Siemens, Linde, EON, MAN und den Chemieunternehmen Wacker und Clariant beteiligen sich auch das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) aus Stuttgart und die Technische Universität München (TUM) an dem Projekt. Seit zwei Jahren arbeiten die Forscher bereits an der Gründung dieses Innovationsverbundes, jetzt ist endlich der offizielle Startschuss gefallen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt mit 6,3 Mio. Euro und die Verträge über die Zusammenarbeit sind unterzeichnet. Erste Ergebnisse werden in einigen Monaten erwartet.
Gesellschaftlicher Auftrag
Die Umwandlung von CO2 in klimafreundliche Energie ist Aufgabe von Chemikern und Physikern nichts, was der Laie auf Anhieb versteht. Und trotzdem lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Denn wir alle produzieren täglich CO2 und eine sinnvolle Nutzung des Gases ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Dieser großen gesellschaftlichen Herausforderung nimmt sich die TUM an, denn dass sei eine ihrer Aufgaben, sagte Prof. Wolfgang Herrmann, Präsident der Universität. Mit der Gründung des Verbundprojektes sei es gelungen, wichtige Akteure zusammenzubringen, um die Forschung voranzutreiben und für Deutschland die Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Energietechnologien zu verteidigen. Die beteiligten Unternehmen benötigen in ihrer Produktion viel Energie. Allein die Wacker Chemie AG verbraucht ein halbes Prozent des gesamtdeutschen Stromverbrauchs, so der Forschungsvorstand des Unternehmens, Dr. Wilhelm Sittenthaler. Er unterstreicht, wie wichtig eine langfristig gesicherte Energieversorgung für den Industriestandort Deutschland ist. Die Chemiekonzerne Wacker und Clariant setzen hier klare Prioritäten: Die eigentlich konkurrierenden Firmen arbeiten im Verbundprojekt an einem wichtigen Zukunftsthema zusammen. Auch Dr. Hans-Joachim Müller, Vorstand der Clariant AG sagt: „Wir müssen mehr tun. Wir müssen anpacken statt einpacken.“
Kohlendioxid nutzbar machen
An der TU München wird die Forschung durch viele Unternehmen aus der Industrie unterstützt.© joule/Anke Ralle
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An der TU München wird die Forschung durch viele Unternehmen aus der Industrie unterstützt.
© joule/Anke Ralle
Insgesamt lässt sich die Arbeit des Verbundprojektes in vier Schritte einteilen, an denen die Verbundpartner jeweils unterschiedlich intensiv beteiligt sind, jeder nach seinen Stärken. Um aus dem Klimakiller CO2 ein Energiespeichermedium zu machen, muss es zunächst aus den Prozessen abgetrennt werden, in denen es entsteht, also im Kohle- und im Erdgaskraftwerk, in industriellen Prozessen aber auch bei der Biogasproduktion. Die Abtrennung von Kohlendioxid aus der Luft bzw. aus Abgasen erfolgt mithilfe von Membrantechnologien. Hierzu arbeiten die verschiedenen Partner des Verbundprojektes an der Entwicklung neuer und verbesserter Membranschichten. Der Abtrennungsprozess soll möglichst reines Kohlendioxid hervorbringen, und dazu müssen „spezialisierte Membranen“ geschaffen werden, die nur die CO2-Moleküle durchlassen. Das Chemieunternehmen Wacker ist einer der weltweit größten Hersteller von Silikonen, die sich als Membranmaterialien eignen. Die so entwickelten Materialien sollen anschließend vom Fraunhofer-Institut zu Membranen „zusammengebaut“ werden und in Anlagen der Linde AG getestet werden. Auch aus Feststoffen kann CO2 abgetrennt werden, mit der so genannten adsorptiven Abtrennung. Siemens betreibt zu dem so genannten Post-Capture-Verfahren, also der Abtrennung von CO2 nach der Verbrennung bereits eine Versuchsanlage im bayerischen Staudinger. Bisher werden lediglich 0,65% der CO2-Emissionen genutzt, das soll sich ändern. Denn bis 2050 müssen die Emissionen um 75% reduziert werden, damit das globale 2-Grad-Ziel eingehalten werden kann. Neben der Einsparung von Energie gilt die Abtrennung und Nutzung von Kohlendioxid als wichtigste Lösung. Jedoch sind die Kosten für die Abtrennung und die Reinigung des CO2 in Kraftwerksprozessen bislang sehr hoch und die Kraftwerke verwenden bis zu 46% der von ihnen erzeugten Energie auf diese Verfahren. Der Projektteil der adsorptiven Abtrennung von CO2 wird sich deshalb verstärkt der Kosten- und Energiereduzierung widmen. Die größte Herausforderung sind dabei die enormen Mengen von CO2. Erzeugt ein Kraftwerk 500 MW Strom, werden gleichzeitig 500 Tonnen CO2 produziert, sagt Dr. Andreas Geisbauer von Clariant.
Aus Kohlendioxid wird Methan
Das so gewonnene Kohlendioxid wird im nächsten Schritt in Methan umgewandelt. Methan kann als Energiespeicher eingesetzt werden und so für die Strom- und Wärmeproduktion und für Mobilität eingesetzt werden. Methan entsteht aus der Reaktion von Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2). Der benötigte Wasserstoff entsteht durch die Spaltung von Wasser. Die Energie für diese Wasserspaltung kann regenerativ mit Sonnen- oder Windkraft erzeugt werden. Auf diese Weise können bisher ungenutzte Windspitzen und Solarstrom-Überschüsse sinnvoll genutzt werden. Der gesamte Prozess wird als chemische Speicherung elektrischer Überschussenergie bezeichnet. Dr. J. Relus Beining von E.on Ruhrgas sieht in diesem Verfahren großes Potenzial für die Lösung von Speicher- und Leitungsproblemen. Die Methanisierung des Kohlendioxid an sich wird mit Hilfe von Katalysatoren durchgeführt. Diese müssen den extremen Bedingungen in einem Kraftwerk standhalten und gleichzeitig ein reines Methan erzeugen, das ohne weitere Zwischenschritte ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Die Firmen Wacker und Clariant stellen solche Katalysatoren her, die TU München testet diese und im Pilotreaktor der Firma MAN werden weitere praktische Tests durchgeführt. Schließlich sollen die Linde AG und E.on die Katalysatoren einsetzen und ihre Eignung bewerten. Das in der Methanisierung entstandene „synthetische Erdgas“ wird ins Erdgasnetz eingespeist und so wird diese vorhandene Infrastruktur genutzt. Schließlich geht das iC4-Projekt noch einen Schritt weiter. Mithilfe von Photokatalyse soll Sonnenenergie genutzt werden, um aus CO2 und Wasser Basischemikalien herzustellen. „Das ist ein absolutes Zukunftsthema“, sagt Prof. Bernhard Rieger von der TUM.
Fazit
iC4 hat sich viel vorgenommen. Aber die Bedingungen sind gut. Die bisherigen Forschungsarbeiten der Entwicklungsabteilungen verschiedener Unternehmen, der TUM und des Fraunhofer Institutes werden nun zu einem Projekt zusammengeführt. Von diesem Zusammenschluss profitieren das Vorhaben und die Bemühungen um die Energiewende in Deutschland.
Anke Ralle
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Ein Treibhausgas für die Energiewende (04.05.2012)
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