Bis zum 30. Juni 2010 wollten sich viele Dachbesitzer noch die bestehende Solarvergütung sichern. Anlagen noch rechtzeitig ans Netz zu bringen, schien utopisch. Wechselrichter waren rar. Doch eine Firma aus dem Schwabenland ließ ihre Kunden wieder hoffen.
von Rouven Zietz
Das Unternehmen, um das es geht, heißt Solutronic. Der 30-köpfige Mitarbeiterstab sitzt in Köngen bei Nürtingen im Großraum Stuttgart. Erst kürzlich sind sie dorthin umgezogen. Schuld daran ist der rasante Nachfrageschub an trafolosen Wechselrichtern. Jetzt haben sie doppelt soviel Platz wie zuvor. In Fläche ausgedrückt: erst 450, jetzt 1100 m².
Bescheidener Anfang
Solutronic hat sich auf den Vertrieb und Entwicklung ihrer SOLPLUS-Wechselrichter spezialisiert. 2004 gründete das Ehepaar Sibylle Scheuerle-Kraiss und Wieland Scheuerle das Unternehmen. „Vor sieben Jahren war der Markt mit acht Mitbewerbern noch übersichtlich,“ erklärt die Politikwissenschaftlerin den damaligen Schritt. Heute ist die 42-Jährige für das Personal- und Produktmanagement verantwortlich. Ihr Ehepartner Wieland Scheuerle kommt aus der Elektrotechnik und ist seiner Sparte treu geblieben. Gemeinsam mit 15 Mitarbeitern kümmert er sich um die Entwicklung neuer Produkte und führt mit Uwe Scobel-Freimüller die Geschäfte des Unternehmens. In den eigenen vier Wänden gestartet, gibt sich Solutronic auch heute noch familiär. Einmal im Monat steht ein „Firmenfrühstück“ mit allen Mitarbeitern auf dem Programm. Die Arbeitszeiten sind flexibel, jeder kann sich seine Zeit einteilen, wie es ihm passt: Denn Solutronic „setzt nicht auf Zeiterfassung, sondern auf Eigenverantwortung,“ sagt der kaufmännische Geschäftsführer Uwe Scobel-Freimüller.
Setzen auf Service: Wieland Scheuerle, Uwe Scobel-Freimüller und Sibylle Scheuerle-Kraiss (von links).
Rückblick: Kurz nach der Gründung, im Juni 2004, gingen die ersten SOLPLUS 25 - 55 Wechselrichter in Serienproduktion. 2007 folgte der Großwechselrichter SP 300. In den folgenden Jahren kamen noch die Reihen 120 und 100 zur SOLPLUS-Wechselrichter-Familie hinzu. Solutronic lässt in Deutschland produzieren. Gründe dafür seien Qualität und ein schneller Zugriff auf Produktionsprotokolle. Während auf der einen Seite die Schwaben kräftig forschten und entwickelten, fand das wachsende Unternehmen auf der anderen Seite „geeignete Vertriebspartner im Ausland.“ Heute liefert Solutronic nach Belgien, Frankreich, Spanien, Tschechien, Italien, Österreich, Schweiz, Griechenland und die Türkei. In Israel stehen die Wechselrichter kurz vor der Markteinführung.
„In unseren Wechselrichtern sind Elemente wie Onlineüberwachung der PV-Anlagen serienmäßig integriert und kosten kein zusätzliches Geld. Das ist bei vielen Mitbewerbern nicht der Fall,“ sagt Wieland Scheuerle. Als zusätzliches Differenzierungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz heben die drei Branchenkenner ihren Service hervor. „Regelmäßige Mitarbeiterschulungen führen dazu, dass jeder Anrufer richtig informiert und weitergeleitet wird,“ sagt Sibylle Scheuerle-Kraiss. Auch in der jetzigen Situation denkt Solutronic serviceorientiert: „Wir nehmen zurzeit keine Aufträge von Neukunden an. Wir wollen zuerst unsere Stammkunden mit Wechselrichtern versorgen, bis sich die Situation entspannt hat.“
Rechtzeitig bestellt
Dafür zeigen auch viele ausländische Solutronic-Partner Verständnis. Kunden in Frankreich oder Tschechien verfolgen die Situation in Deutschland mit erstaunen. „Der hiesige Markt ist im Moment mit keinem anderen zu vergleichen. Da wir befürchten müssen, dass sich die Gesetzeslage nun ändert, behandeln wir unsere Kunden hier bis zum 1. Juli bevorzugt,“ sagte Scobel-Freimüller letztes Jahr. Der dritte Grund warum Kunden zu dieser Zeit auf kürzere Lieferzeiten hoffen konnten als bei anderen Anbietern, ist die Einkaufspolitik. „Im Mai 2009 haben wir mehr Wechselrichter in Auftrag gegeben als üblich. Die Situation heute war absehbar.“ Auch nach dem 1. Juli rechnete Solutronic mit guten Geschäften. „Wir wollen weiter wachsen, aber nicht überall mitspielen,“ sagte Sibylle Scheuerle-Kraiss letztes Jahr. „Die Servicequalität für unsere Kunden zu verbessern, ist das primäre Ziel.“