„Für mindestens die nächsten zehn Jahre bleiben BHKW die Grundlage für die dezentrale Energie- und Wärmeerzeugung“ ist Jann Uphoff überzeugt. Sein Unternehmen agrogen GmbH sorgt mit einer Innovation dafür, dass sie den kommenden Anforderungen gerecht werden.
von Catrin Hahn
Unzufriedenheit war schon immer ein starker Antrieb, Dinge zu verbessern. Aus Unzufriedenheit mit den Transportmöglichkeiten erfand der Mensch das Rad; weil er sein Essen nicht nur dem Zufall überlassen wollte, begann er zu züchten; und weil er die Handarbeit verbesserungswürdig fand, entwickelte er den Motor.
Geschäftsführer Uphoff war in Hannover bei der BioEnergy Decentral ein gefragter Gesprächspartner.
Aus Unzufriedenheit entstand auch die agrogen GmbH: vier Partner suchten für Planung und Bau von Biogasanlagen nach einem guten Gasmotor und fanden ihn nicht. Nach dem Motto „Dann machen wir es eben selber“ hoben sie vor nicht einmal fünf Jahren ein Start-up-Unternehmen aus der Taufe. Das entwickelte sich schnell: 2006 als Projekt gestartet, 2007 mit zwei Angestellten in Merkendorf in Mittelfranken gegründet, heute 38 Mitarbeiter, Tendenz steigend.
Jann Uphoff ist einer der Gesellschafter und Geschäftsführer der agrogen GmbH. Er beschreibt, wie der ideale Gasmotor Gestalt annahm: „Wir fanden einen Partner in Korea, der für uns passende Motorblöcke liefert. Damit bauen wir unsere Motoren auf.“ Dazu wurde eine Fertigungskooperation mit der Schnell Zündstrahlmotoren AG geschlossen. Seit Produktionsbeginn wurden 125 Maschinen gebaut.
Kooperation und Service
Mit Kooperationen will die agrogen GmbH ihren Platz im Markt sichern. Schließlich ist Uphoff Realist: „In der Branche gibt es sehr große Unternehmen. Wir sind klein. Uns blieb nur, unseren Namen schnell bekanntzumachen und was Besonderes zu liefern.“ So gehen also die meisten Gasmotoren an Anlagenbauer, die sie in ihr Konzept integrieren. Größter Kunde ist einer der Gesellschafter: agriKomp - ebenfalls im Merkendorf beheimateter Spezialist für Anlagenplanung und -bau.
Motoren mit der „BlueRail Technology“ bringen höhere Leistungen bei geringeren Emissionen. Uphoff ist überzeugt, dass der Gesetzgeber bald sehr viel stärkeres Augenmerk auf dieses Thema legen wird. Die Grenzwerte werden verschärft und regelmäßige Überprüfungen der BHKW angeordnet werden.
Doch egal, ob
Landwirt oder großer Anlagenbauer: Service ist das A und O. So bekommen zum Beispiel die von agriKomp verbauten BHKW über diesen Partner praktisch ein Rundum-Sorglos-Paket. Der Kunde hat - trotz verschiedener Herkünfte der Komponenten - einen Ansprechpartner, und der ist per Hotline 18 Stunden am Tag zu erreichen. Außerdem bekommt er einen persönlichen Zugang zum Online-Managementsystem - über das auch Wartung und Fernzugriff funktionieren.
Kooperation und guter Service - damit möchte sich agrogen vom Wettbewerb abheben. Doch auch das Produkt muss perfekt sein. Außerdem: „Nur Motoren zusammenbauen reichte uns auf die Dauer nicht.“ Und da Uphoff Maschinenbauer ist und wie seine Mitstreiter viele Jahre Erfahrung mit Gasmotoren hat, haben sie sich ans Tüfteln gemacht. Viel Arbeit und Geld haben die Gesellschafter in die Forschung gesteckt. Beachtliches ist herausgekommen: 44 % Wirkungsgrad - und zugleich zur höheren Leistung deutlich geringere Emissionen.
Technische Neuerung
„BlueRail“ heißt die Technolgie, die im Oktober 2010 erstmals auf der BioEnergy Decentral in Hannover vorgestellt wurde. Sie haben das Einspritzverfahren verbessert, um die Leistungssteigerung zu ermöglichen. Eine Motorelektronik steuert die Zugabe von zusätzlichem Biogas über die Einlassventile. Das optimiert die Verbrennungszyklen, die Kraftstoffausbeute wird ausgereizt und Schadstoffemissionen minimiert. So wird mehr Strom bei gleichem Verbrauch erzeugt. Bislang wurde die „BlueRail Technology“ in 8-Zylinder-V-Motoren mit 290 kW elektrischer Leistung getestet. Ab Mitte des Jahres sollen alle agrogen-Motoren - von 40 bis 380 kW - mit der neuen Technik ausgestattet werden. Auch eine Nachrüstung für ältere Motoren ist in Planung.