Bioenergie ist auch ein Tätigkeitsfeld für Maschinenringe. Häufig bilden sie die Plattform für Kooperationen von Landwirten, Kommunen und Unternehmen. Nachfolgend einige Beispiele.
von Thomas Gaul
„Mein Steckenpferd ist die Bioenergie“ sagt Thorben Holsteiner, der bei den schleswig-holsteinischen Maschinenringen diesen Bereich koordiniert. Inzwischen ist es dem Agraringenieur gelungen, 14 Fachkräfte in ein Kompetenzzentrum einzubinden.
Das erste Projekt war die Biokraftstoffberatung in den Jahren 2005 bis 2008. Vorrangig ging es dabei um den Einsatz von Biodiesel und Pflanzenöl in der Landwirtschaft. „Mit unserem Know-how haben wir den Landwirten bei der Einrichtung ihrer Biodiesel-Tankstellen geholfen“, berichtet Holsteiner. Aktuell geht es derzeit um den Aufbau eines Netzwerkes zum Thema Kurzumtriebsplantagen (KUP). So sollen auf der ehemaligen Mülldeponie Neumünster KUP angelegt werden. Der MR arbeitet hier mit den Stadtwerken zusammen. „Die Stadtwerke sind häufig mit dem Thema Biomasse am Ort noch gar nicht konfrontiert“, so Holsteiner.
Vermittler für Bioenergie
Die Beschäftigung mit dem „Energieholz“ reicht aber bereits mehrere Jahre zurück, als im Norden eine „Knickbörse“ eingerichtet wurde. Ziel ist es, das aus der Pflege der landschaftstypischen Hecken stammende Material wie Holz und Strauchschnitt einer energetischen Nutzung zuzuführen. Für die landwirtschaftlichen Flächeneigentümer ist da der MR fast zwangsläufig erster Ansprechpartner.Über eine gewerbliche Tochter beschäftigen sich die schleswig-holsteinischen Maschinenringe auch mit Biogas. Dabei wird schwer vergärbare Biomasse aus der Landschaftspflege zusammen mit Reststoffen in Trockenfermentationsanlagen zur Biogasproduktion genutzt. Um das Risiko zu streuen, auf der anderen Seite aber die Vorteile eines gemeinsamen Einkaufs über die MR-Tochter zu nutzen, wurden vier Biogasanlagen gebaut, die rechtlich selbstständig sind. Bei der Technik handelt es sich um baugleiche Garagenfermenter nach dem Loock-System.
Aus einem „runden Tisch“ ist die Biogas-Spezialberatung entstanden, die ursprünglich vom MR Kassel entwickelt wurde. Mittlerweile befinden sich 75 Anlagen in der Beratung. Der MR sieht sich hier mehr als neutraler Moderator, der von allen Teilnehmern akzeptiert wird. Über horizontale Betriebsvergleiche wird die Wirtschaftlichkeit der Anlagen analysiert.
„Wir müssen für unsere Mitglieder in der ersten Reihe laufen und zwar so schnell wie der schnellste Landwirt“, bringt Thorben Holsteiner die Anforderungen an die MR-Organisation auf dem Punkt. Im Gegensatz zum einzelnen
Landwirt finde der MR leichter direkten Zugang zum Energieversorger. „Wir können beides: Anzug und Gummistiefel“, formuliert der MR-Manager. Der Konkurrenzdruck unter den Landwirten verhindere oft den Abschluss von Bioenergie-Kooperationen mit Gemeinden und Energieversorgern. Über den „Bündlereffekt“ des MR könne es gelingen, den Wachstumsmotor Bioenergie zum Laufen zu bringen und auch junge Leute im ländlichen Raum zu halten, in dem auch für Nebenerwerbstätigkeiten gesorgt wird.
Weitere Schwerpunkte
Andere Schwerpunkte setzt der MR Neumarkt in der Oberpfalz, der als „klassischer“ MR hauptsächlich in der Betriebshilfe engagiert ist. In den neunziger Jahren begannen die Bioenergie-Aktivitäten mit dem Aufbau einer Pflanzenöl-Modellregion, wie Geschäftsführer Josef Schneider berichtet: „Wir haben auf Stilllegungsflächen Raps angebaut, der in der Region zu Kraftstoff verarbeitet werden sollte, um ihn nicht mehr zu den Ölmühlen in Norddeutschland fahren zu müssen.“
Mit Gründung der „Juraps GmbH“ stellten Landwirte aus der Region eine 1 Mio. € für den Bau einer Ölmühle bereit. Sie wurde im August 2007 fertiggestellt, doch dann brach mit der Änderung der Besteuerung der Biokraftstoffmarkt ein. „Das einzige, was uns jetzt noch am Leben hält, sind die BHKW“, beklagt Josef Schneider. So wurden im Jahr 2009 noch 1 Mio. l Rapsöl verkauft, das ist die Hälfte der Menge von 2007. Nun setzt der MR auf Holz aus heimischen Wäldern. Vor allem aus Restholz werden Hackschnitzel gewonnen, die in Bio-masse-Heizkraftwerken verfeuert wer-den, um Bäder, Schulen und Gewerbebetriebe zu beheizen. Mit Holz beschäftigt sich auch Norbert Hofnagel, Geschäftsführer des MR-Betriebshilfsdienstes Höxter-Warburg e.V. in Ostwestfalen. „Wir haben viel Fläche (1.200 km2) und wenig Einwohner (126 je km2)“, erklärt er die Voraussetzungen seines Arbeitsgebietes. Mit 30 % ist der Anteil der Waldfläche hoch. Da lag es nahe, mit der Nutzung von Resthölzern ein Einkommen von betriebseigenen Waldflächen zu schaffen.
Über eine gewerbliche Tochter, an der auch E.On Energieservice und eine private Städtereinigungsfirma beteiligt sind, wird der Nahwärmeverbund Brakel betrieben. Zwei 1,2 MW-Holzhackschnitzel-Kessel befeuern ein 1.400 m langes Nahwärmenetz, das im Rahmen von Contracting 85 % aller öffentlichen Liegenschaften versorgt. Dazu werden jährlich rund 3.000 t Hackschnitzel benötigt. Zur Aufbereitung des Holzes, das auch von Kommunen und privaten Grundstückseigentümern kommt und häufig mit Metallteilen verunreinigt ist, wurde in Borlinghausen ein Biomassehof mit einer Betriebsfläche von 3,3 ha eingerichtet.
Wegweisend könnte das neue Projekt sein: Denn entlang der Straßen in Waldgebieten obliegt den Waldbesitzern die Verkehrssicherungspflicht. Allein in Nordrhein-Westfalen sind davon fast 65.000 km Straße betroffen. Um teuren Rechtsstreitigkeiten nach Stürmen oder Schneebruch aus dem Wege zu gehen, wird der Waldsaum auf einer Breite von 30 bis 50 m abgeholzt. Ziel ist eine sogenannte Mittelwaldbewirtschaftung, um Brennholz zu gewinnen. „Der MR tritt hier als Dienstleister der Forstbetriebsgemeinschaften auf“, so Norbert Hofnagel, der auch ein Biomasse-Logistik-Projekt leitet.