Montag, 20.05.2013
Vom Landwirt zum Ölscheich?
Die Energieholzproduktion spielt auch außerhalb des klassischen Forstbetriebs eine Rolle. Wie sich mit einer Kurzumtriebsplantage (KUP) erfolgreich Energieholz anbauen lässt erklärten Experten kürzlich im bayrischen Teisendorf.
Die nachwachsenden Rohstoffe sind auf dem Vormarsch. Bereits 19 Prozent
der Ackerfläche in Deutschland werden für die Produktion von Biomasse
genutzt. Ein bisher verschwindend geringer Teil von ca. 4.000 ha ist
mit Kurzumtriebsplantagen bedeckt. Das soll sich ändern. Das
Bundesumweltministerium (BMU) hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2020
450.000 ha mit KUP bedeckt sein sollen. Auch wenn sich die Fläche der
Energiewälder von 2010 auf 2011 verdoppelt hat, erscheint dieses Ziel
utopisch. In Teisendorf gibt es bereits seit 14 Jahren eine
KUP-Versuchsfläche, auf der verschiedene Pappelsorten auf ihre Eignung für den Kurzumtrieb getestet werden.
Gutes Geschäft
Noch führen Kurzumtriebsplantagen eher ein Schattendasein.
© joule/Anke Ralle
Dabei könnte sich der Kurzumtrieb für viele Landwirte durchaus lohnen.
Der Heizölpreis steigt seit langem, zuletzt lag er bei 90 Cent pro
Liter. Diese Ausgangslage hat dazu geführt, dass auch der Preis für
Hackschnitzel kontinuierlich gestiegen ist und sich das Geschäft mit
dem Energieholz lohnt. Im April lag der Preis pro Tonne bei 95 Euro.
Randolf Schirmer vom Bayrischen Amt für forstliche Saat- und
Pflanzenzucht (ASP) bremst zwar die Euphorie einiger Landwirte, die mit
KUP zum „Ölscheich“ werden wollen, sieht im Anbau von Energieholz
jedoch ein durchaus lohnenswertes Standbein, zum Beispiel für
Nebenerwerbslandwirte.
Praktische Umsetzung
Sebastian Hauk von der Hochschule Weihenstephan und Mitarbeiter im
Wissenschaftszentrum Straubing hat erstmalig KUP-Betreiber in Bayern zu
ihren Erfahrungen mit dem Energiewald befragt. In Bayern sind ca. 480
von 4 Mio. ha landwirtschaftlicher Flächen von KUP bedeckt. 76 Prozent
dieser Flächen werden von Landwirten bewirtschaftet, davon sind gut die
Hälfte nebenerwerblich tätig. Es zeigt sich außerdem, dass 59 Prozent
der KUP-Flächen zum niedrigeren Pachtpreissegment gehören, die Böden
demnach als nicht besonders hochwertig einzustufen sind. Lediglich drei Prozent
der KUP-Flächen in Bayern liegen im hohen Pachtpreisbereich. Oftmals
handelt es sich um Flächen mit Schwächen, wie beispielsweise eine Hang-
oder Waldrandlage, kleinstrukturierte Flächenmaße oder maschinell
schlecht zugängliche Flächen. Wichtig sei bei der Bodenqualität nicht
so sehr der Nährstoffgehalt der Fläche sondern vielmehr die Wasserversorgung, sagt Sebastian Hauk.
Sortenwahl
Bei der Anlage der Plantage werden neben Weiden oder Erlen größtenteils
verschiedene Pappelklone verwendet. Diese Lichtbaumarten sind besonders
kostengünstig und durch den Austrieb aus Steckholz leicht zu pflanzen.
Eine einmal gepflanzte Plantage kann bis zu 4 mal geerntet werden. Die
Stecklinge kosten durchschnittlich 22 Cent pro Stück. Bei der
Sortenauswahl verweisen Randolf Schirmer und auch Dr. Frank Burger von
der Bayrischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF)
darauf, dass nur in Deutschland geprüfte Sorten verwendet werden
sollten. Außerdem biete nur der Bezug über professionelle Baumschulen
und andere Anbieter die Sicherheit auf die Güte des Pflanzmaterials. Obwohl es sich bei KUP nicht um Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes handelt, unterliegen die Pappelklone doch den Bestimmungen des Forstvermehrungsgutgesetzes. Belgische und italienische Pappelklone erwiesen sich im Praxistest als
anfällig für besondere Baumpilze und hatten Probleme mit den deutschen
Witterungsverhältnissen. Unabhängig davon sei es ratsam, verschiedene
Sorten auf der eigenen Fläche zu testen, um eine optimale Wahl treffen
zu können, sagte Frank Burger. Hilfestellung und Beratung zu Fragen rund um Sortenwahl und
Pflanzung bieten neben dem ASP auch die Forstämter.
Pflanzen fürs Ernten
Auch wenn die Zeit vom Pflanzen der Plantage bis zur ersten Ernte mit
drei bis acht Jahren relativ lang ist, rät Burger, vorausschauend
zu planen. Der Pflanzverband sollte auf die Erntemethode abgestimmt
sein. Bei kleinen Flächen eignet sich eher die motormanuelle Ernte mit
Fäller-Bündler-Systemen eher als ein vollmechanisches Verfahren mit einem
Gehölzmähhäcksler. Die Betreiberbefragung von Sebastian Hauk hat
ergeben, dass 66 Prozent der Befragten die gewonnenen Hackschnitzel in
einer eigenen Hackschnitzelheizung nutzen, um so im Wärmebereich
von den Energieversorgern unabhängig zu sein. Bei der Anlage der
Plantage im März oder April empfiehlt Frank Burger die Ausbringung
eines Totalherbizides, um die jungen Stecklinge vor anderer Vegetation
zu schützen. Ist der Boden bei der Pflanzung gut vorbereitet, zeichnet
sich die KUP anschließend durch einen vergleichsweise geringen
Pflegebedarf aus.
Hindernisse
Rechtlich gesehen handelt es sich bei KUP um landwirtschaftliche Nutzfläche. Die
Plantage muss allerdings genehmigt werden, aber ihre Umwandlung zurück in
Ackerland ist ohne Probleme möglich – soweit die Theorie.
In der Praxis sehen sich viele Betreiber mit Auflagen zu Ausgleichs-
und Abstandsflächen sowie dem Vorwurf der Monokultur konfrontiert.
Entsprechend ergab die Befragung der KUP-Betreiber in Bayern, dass das
geringe Informationsmaß der zuständigen Behörden und auch der
Bevölkerung oft ein Hinderungsgrund bzw. eine Problemquelle für die
Energiewälder sei. Randolf Schirmer verweist darauf, dass die Gewinnung
von Brennholz mit so genannten Niederwäldern ursprünglich aus dem
Mittelalter stammt und somit eine lange Tradition in Deutschland hat.
Ob sich diese Tradition im Rahmen der Energiewende wiederbeleben lässt,
werden die kommenden Jahre zeigen.
Anke Ralle
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Vom Landwirt zum Ölscheich (03.05.2012)
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