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[ » joule » Business » Vom Nutzen der Netzwerke ]
Montag, 21.05.2012
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Business | 09.11.2011 Redaktion Joule

Vom Nutzen der Netzwerke

An der Fachhochschule Kiel entsteht ein neues, berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot für alle, die mit Konzepten für EE-Anlagen, deren Gestaltung, politischer Unterstützung und Akzeptanz zu tun haben.
von Catrin Hahn
 
Es ist ein sonniger, fast windstiller Tag in Kiel Dietrichsdorf. Das kleine Flüsschen Schwentine fließt ruhig Richtung Ostsee. An ihren Ufern warten Segelboote auf die nächste große Fahrt. Menschen spazieren auf der Uferpromenade, eine Fähre legt ab, Möwen kreischen. Für die meisten klingt das wie die Beschreibung eines perfekten Urlaubstages, für die Studierenden der FH Kiel ist es Alltag. Man könnte sich vorstellen, dass diese Kombination aus Ruhe und Fernweh positive Auswirkungen auf den Studieneifer hat. Ob es daran liegt oder einfach am guten Angebot - die FH Kiel ist eine erfolgreiche Hochschule. 1969 durch den Zusammenschluss mehrerer staatlicher Ingenieurschulen und Höherer Fachschulen gegründet, ist sie heute mit über 6.000 Studierenden die größte Fachhochschule in Schleswig-Holstein. Das Fächerspektrum ist breit und wird - wie bei Fachhochschulen üblich - überwiegend von jungen Leuten aus dem Bundesland wahrgenommen: Die Fachbereiche Agrarwirtschaft, Informatik und Elektrotechnik, Maschinenwesen, Medien, Soziale Arbeit und Gesundheit sowie Wirtschaft bieten insgesamt 35 Bachelor- und Masterstudiengänge an.
 
(Bild: Catrin Hahn)
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(Bild: Catrin Hahn)

Institut für Weiterbildung
 
Gute Studienbedingungen, kurze Wege, enger Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden und eine enge Verzahnung zwischen Forschung und Lehre - das kann die Hochschule den jungen Leuten bieten. Mit einer soliden Ausbildung wird der Grundstein für ein erfolgreiches Arbeitsleben gelegt. Doch wo für die meisten Hochschulen die Arbeit zuende ist - mit der Aushändigung der Bachelor- oder Masterurkunden an die Absolventen - ist in Kiel noch lange nicht Schluss. Vor vielen Jahren schon erkannte man hier den Trend zum „lebenslangen Lernen“. Ob wechselnde Arbeitsstellen, technische Weiterentwicklungen oder veränderte oder gänzlich neue Arbeitsgebiete - für die meisten von uns ist doch niemals Schulschluss. Und so bietet das „Institut für Weiterbildung“ (IW) schon seit 1989 Weiterbildungsangebote auf Hochschulniveau an: vom mehrtägigen Kurs über das Firmenseminar bis zum berufsbegleitenden Weiterbildungsstu- diengang mit dem Abschlussgrad „Master“ (www.weiterbildung.fh-kiel.de). Institutsleiter Prof. Dr. Hans Klaus erläutert es näher: „Das IW ist eine zentrale Einrichtung der Fachhochschule und untersteht direkt dem Präsidium. Unsere Weiterbildungs-angebote werden von den einzelnen Fachbereichen getragen - aber natürlich verpflichten wir auch Gastdozenten. Das Angebot ist vielfältig und wird vom Bedarf ebenso wie von den Kompetenzen der Fachbereiche bestimmt. Man kann bei uns Kurse der NaturSpielpädagogik besuchen, einen Zertifikatskurs Einkaufsmanager oder eben den Masterstudiengang Entwicklung und Steuerung von Konzepten erneuerbarer Energien.“
 
Weiterbildungsangebote
 
Doch den wird es erst ab 2012 geben. In diesem Herbst wird, erklärt Prof. Klaus, unter diesem Namen ein Weiterbildungsangebot mit fünf Modulen gestartet. Das dauert insgesamt sechs Monate. Ein Modul verlangt jeweils einen Arbeitsaufwand von rund 125 Stunden, von denen 36 Stunden Präsenzveranstaltungen in Kiel - zwei Wochenenden freitags und samstags - sind. Die Module können jedoch auch einzeln absolviert werden, je nach Interessenslage: Erneuerbare Energien: Grundlagen, Einführung in die Windenergie, Konzepte der Biomassenutzung, Ökonomie der Konzepte erneuerbarer Energien, Politische Gestaltung, Akzeptanz und Moderation. Die Anregung für das Angebot kam aus dem Fachbereich Agrarwirtschaft der FH. Prof. Dr. Yves Reckleben, von Hause aus Professor für Land- und Verfahrenstechnik in der Außenwirtschaft, erklärt gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Roth das Konzept: „Seit 2007 feilen wir am Projekt Konzepte der Bio-massenutzung. Ursprünglich kam die Idee von Studierenden. Und wurde zuerst in unserem seit 2009 existierenden Master Agrarmanagement’ umgesetzt. Schließlich ist gerade in Schleswig-Holstein die Biogasherstellung weit verbreitet. Und für die Anlagen brauchen die angehenden Agrarmanager Nutzungskonzepte. Darüber hinaus allerdings schien uns das Konzept gut geeignet für ein Weiterbildungsangebot, das sich an Fachkräfte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Technik wendet.“ Und so wird Prof. Reckleben auch das Modul „Konzepte der Biomassenutzung“ im neuen Weiterbildungsangebot leiten.
(Bild: Catrin Hahn)
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(Bild: Catrin Hahn)
 
Kommunikation lernen
 
Wer genau ist denn nun aber die Zielgruppe für dieses Weiterbildungsangebot? „Die Bandbreite ist groß“, meint Prof. Klaus, „es geht ja auch um einen Themenbereich, für den es bisher keine Ausbildung gab. Wir möchten dafür sorgen, dass die Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft besser funktioniert“. Das beginnt mit einer objektiv nachvollziehbaren Wirtschaftlichkeitsberechnung, um die Dimension einer Anlage korrekt zu berechnen. Politische und verwaltungstechnische Inhalte sind wichtig, damit der tolle Plan nicht irgendwo in den Rädern der Verwaltung aufgerieben wird. Und ganz besonders wichtig ist auch der Bereich Kommunikation. „Vernetztes Denken und Handeln“ will der Kurs vermitteln und richtet sich an Mitarbeiter aus Gemeindeverwaltungen, von Verbänden, Unternehmen oder Energieversorgern, oder an Politiker. Eben alle, die mit der Planung, Vorbereitung und Aufstellung von Erneuerbare-Energie-Anlagen befasst sind. Auch und gerade jene, die solche Anlagen in lokale Strukturen integrieren sollen und für positive Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen möchten. In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Die öffentliche Meinung ist nicht mehr ganz so positiv. Der Sympathiebonus für die Erneuerbare Energie verblasst. Erst recht, wenn eine Stromtrasse durchs Dorf gelegt werden soll oder ein Windrad den Ausblick aus dem Wintergarten zu verunzieren droht. Hier muss vermittelt werden. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sei es die entwaffnende Kraft einer offenen Kommunikation, die Bürger als gleichberechtigte Partner mit Verantwortung behandelt. Oder die Bürgerbeteiligung, die den Anblick flott kreisender Windräder nicht mehr zur akustischen und optischen Beleidigung, sondern zum lieblichen Geräusch klingender Münze werden lässt. Doch zurück nach Kiel. Zehn bis zwölf Interessenten, so wünscht es sich Prof. Klaus, sollen pro Modul am Weiterbildungsangebot teilnehmen. Sie werden Lerngruppen bilden, die sich gegenseitig bei der Arbeit voranbringen können. Natürlich ist der Start in diesem Herbst schon so etwas wie ein Testlauf für den Masterstudiengang im nächsten Jahr. Für das Institut sowieso, aber auch für die Teilnehmer: Wer möchte, kann sich Credits fürs Absolvieren der Module auf die Teilnahme am Masterstudiengang anrechnen lassen.
 
Netzwerk für Erneuerbare
 
Neben der Mitwirkung des Fachbereiches für Agrarwirtschaft gibt es noch ein ganzes Netzwerk weiterer Organisationen, die das Institut für Weiterbildung unterstützen.Da wäre zum Beispiel das Kompetenzzentrum Biomassenutzung Schleswig-Holstein. Das ist eine Initiative der fünf Hochschulen in Schleswig-Holstein und deutschlandweit einmalig, wie Projektleiter Dr. Wolfgang Bonn erklärt. Seit 2006 arbeiten die Verbundpartner, die Fachhochschulen Kiel, Flensburg und Lübeck sowie die Universitäten in Kiel und Flensburg, in diesem Netzwerk zusammen. Die Wissenschaftler in den beteiligten Fachbereichen bearbeiten Themen der Biomassenutzung - 20 Teilprojekte sind es im Moment - und bieten Technologie- und Wissenstransfer in die Praxis an. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen sollen Ergebnisse in der Biomassenutzung gebündelt und durch Unternehmen in Schleswig-Holstein umgesetzt werden. Ein solcher Wissens-transfer hat mehrere unschätzbare Vorteile: Er sorgt für Transparenz und das Gefühl von Gleichberechtigung unter den Wissenschaftlern. Er verhindert, dass an mehreren Orten zum gleichen Thema geforscht wird. Und er wirkt glaubwürdig und kompetent nach außen. Ebenso beteiligt am Weiterbildungsangebot ist der Masterstudiengang „Wind Engineering“, dessen Leiter, Professor Dr. Alois Schaffarczyk, das Modul „Einführung in die Windenergie“ unterrichten wird. Hinter diesem englischsprachigen Masterstudiengang, der jetzt seit drei Jahren existiert, steht ein weiteres Netzwerk: Das Kompetenzzentrum Windenergie CEWind, ein Verbundprojekt von Hochschulen, Windindustrie und Politik. Scheint so, als passen Erneuerbare Energien, Netzwerke und Bildung hier in Kiel recht gut zusammen.
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