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[ » joule » Biogas » Wirtschaftlichkeit und Ernährungssicherung ]
Montag, 21.05.2012
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Biogas | 23.01.2012 Redaktion Joule

Wirtschaftlichkeit und Ernährungssicherung

Der Ausbau der Bioenergie sollte sich nach Einschätzung des BioÖkonomieRats stärker an Kriterien der Wirtschaftlichkeit und der Ernährungssicherung orientieren.
Berlin - Der BioÖkonomieRat der Bundesregierung empfiehlt eine Korrektur der Nutzung der Bioenergie. „Noch höhere Importe von Agrarrohstoffen für die Bioenergiegewinnung dürfen nicht dazu führen, dass der Welthunger weiter zunimmt. Die Ernährungssicherung muss Vorrang vor dem Ausbau der Bioenergie haben“, sagte der Vorsitzende des BioÖkonomieRats Reinhard F. Hüttl am vergangenen Freitag bei der Vorstellung von Empfehlungen zur Bioenergie anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin.
(Bild: iStockphoto)
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(Bild: iStockphoto)
 
Kritik an Förderung
 
Eine Strategie zur Nutzung der Bioenergie müsse zudem Umwelt- und Klimaschutzaspekte sowie Effizienzsteigerungen und Forschung in verbesserte Technologien stärker betonen. Kritisch sieht das Papier die bestehenden Förderinstrumente für die Bioenergie. Der BioÖkonomieRat bemängelt, dass durch die Förderung der Bioenergie enorme volkswirtschaftliche Kosten entstehen, die über die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die dadurch steigenden Energiepreise private Haushalte und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsunternehmen belasten. Gleichzeitig würden die Förderinstrumente dazu führen, dass der kommerzielle Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Energieumwandlung teilweise höher sei, als bei der Nahrungs- oder Futtermittelnutzung. „Wenn ein landwirtschaftliches Produkt als Energieträger lukrativer ist, dann widerspricht das dem Primat der Ernährungssicherung“, sagte Fritz Vahrenholt, Vorsitzender der Geschäftsführung RWE Innogy GmbH und Leiter der Arbeitsgruppe Bioenergie des BioÖkonomieRats.
 
Systemstützende Bioenergie
 
Fritz Vahrenholt plädierte deshalb dafür, die Subventionierung der Bioenergie auf den Prüfstand zu stellen: „Förderinstrumente und -ziele müssen stärker aufeinander abgestimmt und wirtschaftlicher sowie bedarfsgerechter ausgestaltet werden. Da Bioenergie als grundlastfähiger und speicherbarer Energieträger als Systemstütze für die Energiewende dienen muss, sollte die bestehende Förderung stärker auf diesen Aspekt ausgerichtet werden.“ In Frage stellte Vahrenholt auch das Ziel einer unkoordiniert zunehmenden Bioenergie-Nutzung in allen drei Verwendungsbereichen Verkehr, Wärme und Strom gleichzeitig. „Biomasse als Grundlage für die Erzeugung von Bioenergie ist eine begrenzte Ressource. Wenn wir sie in allen Bereichen einsetzen, geht dies nur über eine Ausweitung der Importe.“
 
Verbesserung der Forschung
 
Für eine wirtschaftlichere und nachhaltigere Bioenergienutzung sind nach den Worten von Reinhard F. Hüttl erhebliche Effizienzsteigerungen nötig. „Damit Konflikte zwischen dem Anbau von Energiepflanzen und Nahrungsmitteln nicht noch weiter zunehmen, müssen wir die Energieerträge pro Flächeneinheit steigern, Rest- und Abfallstoffe besser verwerten und Restflächen stärker nutzen, die nicht für den Nahrungsmittel- und Futtermittelanbau geeignet sind.“ Zudem seien erhebliche Forschungsanstrengungen notwendig, um die Wirkungsgrade von Biomassekraftwerken und Biokraftstoffen sowie innovative Methoden wie die Energiegewinnung aus Mikroalgen zu verbessern. Auch im Hinblick auf die Verbesserung der schlechten Klimabilanz der Bioenergie seien laut Reinhard F. Hüttl noch erhebliche Forschungs- und Innovationsanstrengungen notwendig.
 
Verbesserung der Klimabilanz
 
Die Empfehlungen bemängeln den hohen Energieeinsatz für Anbau, Pflege und Ernte von Energiepflanzen sowie für die dafür benötigten Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Der BioÖkonomieRat empfiehlt deshalb, negative Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Klima zu reduzieren und eine positive Klimabilanz über die gesamte Wertschöpfung vom Anbau der Energiepflanzen bis zur Reststoffverwertung zu erreichen. Um die Bioenergienutzung auszuweiten, empfiehlt der BioÖkonomieRat, den Konflikt zwischen dem Anbau von Biomasse für die Nahrungs- und Futtermittelerzeugung und dem als Energieträger zu überwinden. Da die hiesigen Ackerflächen nicht ausreichen, um genügend Biomasse für die Ziele zum Ausbau der Bioenergie bereit zu stellen, importiert Deutschland schon heute ca. 40 Prozent der hierzulande verarbeiteten Biomasse.
 
Gefährdung der Nahrungssicherheit
 
„Unsere Bioenergie-Importe dürfen nicht zu negativen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen in den Herkunftsländern führen. Zurzeit verstärkt die Bioenergienutzung die Nahrungsmittelknappheit und erhöht Nahrungsmittel- und Landpreise, was zu politischen Unruhen in den Entwicklungs- und Schwellenländern führen kann“, sagte Joachim von Braun, Direktor am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und stellvertretender Vorsitzender des BioÖkonomieRats. Er forderte vermehrte Forschung zur Produktivitätssteigerung sowie internationale Standards, damit die Ernährungssicherung nicht durch die energetische Nutzung belastet werde.
rlm
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