Da nematodenresistente Zwischenfrüchte wie Gelbsenf oder Ölrettich zurzeit knapp und teuer sind, werden die Landwirte bei Bedarf auf die neuen leistungsstarken nematodentoleranten Rübensorten ausweichen.
© Raupert
Alle Veranstalter, an der Spitze die Bezirksstelle Braunschweig der LWK Niedersachsen, hatten das gemeinsame Ziel, auf dem Feldtag in Salzdahlum zu demonstrieren, wie die Wirtschaftlichkeit der Zuckerrübe optimiert und im Vergleich zu den Wettbewerbskulturen wie Raps und Weizen in der Fruchtfolge stabilisiert werden kann. „Die Zuckerrübe bleibt nicht, weil es die Zuckerrübe ist. Sie muss sich jetzt im Konkurrenzkampf mit anderen Früchten bewähren", brachte es Reinhard Weber auf den Punkt. Um die großen Ziele zu erreichen, wünschte er sich von seinen Berufskollegen „mehr Agieren und weniger Lamentieren" und kein ständiges „Fruchtfolge-Hopping". Von Verbänden und Beratung forderte er zukünftig eine bessere Zusammenarbeit untereinander.
Nach Einschätzung von Volker Bückmann, Nordzucker AG, muss man um den Fortbestand des Rübenanbaus in Niedersachsen nicht fürchten. „Die Rübe behält ihre besondere Stellung in der Fruchtfolge, zeigte sich der Rohstoffexperte zuversichtlich. Seinen Angaben zufolge kommt diese Kultur zurzeit auf eine Anbaufläche in Niedersachsen von etwa 95.000 ha, wobei er noch weiteres Potenzial nach oben sieht. Einen Anstieg der Fläche erhofft sich Bückmann auch durch die Tatsache, dass die Anbauer im Gegensatz zu früheren Jahren den Vertrag zur Anbauplanung 2009 bereits jetzt im Sommer, rechtzeitig vor der Aussaat des Wintergetreides, erhalten werden.
Rechenbeispiele
Die Landwirte hätten somit frühzeitig eine bessere Planungssicherheit, wobei die bisher fixen Vertragsmengen auch gelockert werden könnten, versprach Bückmann. „Am Ende steht eine klare Botschaft: Der Quotenanbau ist erfolgreich". Ferner wolle die Nordzucker sicherstellen, dass sich auch der Anbau von Überrüben lohnt. „Die Überrübe schlägt Weizen", rief Bückmann optimistisch vor den erstaunten Bauern in Salzdahlum aus. Gelingen soll das vor allem durch intensivere Beratung, wobei die schwächeren Rübenanbauer vom Wissen der Spezialisten profitieren sollen.
Berechnungen zur Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus präsentierten auf der Domäne Ulf Moldenhauer und Fred Naujok, Landberatung Bör
ßum/Schöppenstedt. Sie zeigten auf, dass die Rübe in der Region im letzten Jahr trotz eines Verlusts von 1.000 €/ha den höchsten Deckungsbeitrag geliefert hat. Getreide und Raps konnten trotz der gestiegenen Preise aufgrund der niedrigen Erträge im Jahr 2007 nicht mit der Hackfrucht mithalten.
In ihren Rechenbeispielen zeigten sie auf, dass die Gleichgewichtspreise bei etwa 11 t Zucker bei rund 215 €/t Winterweizen (bei 85 dt/ha) und 449 €/t Winterraps (bei 40 dt /ha) liegen. Bei niedrigen Rübenerträgen und guten Preisen für Getreide und Raps gerate die Rübe jedoch ins Hintertreffen. Auch bei hohen Getreidepreisen bleiben ertragsstarke Rüben konkurrenzfähig, stellte Moldenhauer fest. Aus diesem Grund gehöre die Rübe unbedingt auf bessere Standorte. Ethanolrüben sind dagegen nach Berechnungen von Fred Naujok derzeit nicht konkurrenzfähig. Auf dem Versuchsfeld wurden Lösungen zu allen wesentlichen Problemen in der Produktionstechnik aufgezeigt. Ein Schwerpunkt des Feldtages war die Nematodenproblematik, die in den Zuckerrüben-Anbaukerngebieten mittlerweile eine herausragende Bedeutung eingenommen hat. Durch den Einbau von Winterraps in die Fruchtfolge hat sich dieses Problem zudem in den letzten Jahren auf einigen Standorten verschärft. Raps ist genauso wie die Rübe eine Wirtspflanze des Rübenzystennematoden und erhöht das Nematodenrisiko in den erweiterten Fruchtfolgen.
Hermann Warnecke vom Pflanzenschutzamt Hannover zeigte vor Ort auf, dass für die Vermehrung der Zystennematoden jedoch nicht der Raps als Hauptkultur, sondern meist der Ausfallraps verantwortlich ist. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Zystennematoden im Sommer viel bessere Vermehrungsbedingungen vorfinden als zur Aussaat im Herbst. Warnecke erläuterte, dass ab einer Wärmesumme von 465 °C im Boden (gemessen ab 8 °C und dann aufsummiert) sich eine neue Nematodengeneration ausbildet. Um den Vermehrungsfaktor der Nematoden gering zu halten, müsse man daher den Ausfallraps zum optimalen Zeitpunkt abtöten.
Starke Neuzüchtungen
Hierfür bieten sich chemische und mechanische Verfahren an. Untersuchungen des Pflanzenschutzamtes zu verschiedenen Zeitpunkten haben ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Warnecke riet den Landwirten, den Ausfallraps gründlich und systematisch ab einer Temperatursumme von rund 300 °C zu bekämpfen. Am besten gesche
he dies mit einem Totalherbizid. Für die Bekämpfung habe der
Landwirt rund vier Wochen nach Auflauf des Rapses Zeit, sodass sich der Spritzzeitpunkt in einem Temperaturfenster von 300 bis 350 °C Wärmesumme bewegen kann. Mechanische Bekämpfungsmaßnahmen mittels Grubber beseitigen den Ausfallraps nicht zu 100 %, verringern aber den Schnecken- und Mäusebesatz.
Gero Schlinker, ARGE NORD, zeigte auf, dass nematodenresistente Sorten wie Paulina oder Sanetta nur für die Sanierung von Flächen mit mehr als 1.200 Eiern und Larven interessant sind. Der Zuchtfortschritt habe mittlerweile aber nematodentolerante Sorten wie Pauletta, Mauricia und Theresa hervorgebracht, die weitaus konkurrenzfähiger sind. Die Experten empfehlen diese Sorten bereits ab einem Besatz von 500 Eiern und Larven je 100 g Boden. Um hier Gewissheit zu erlangen, riet Schlinker den Landwirten, Bodenproben zu nehmen und eine kombinierte Untersuchung auf Zuckerrübennematoden und Grundnährstoffen vornehmen zu lassen.
Der Vorteil der nematodentoleranten Sorten ist, dass sie ab der genannten Schwelle bereits einen um 10 bis 12 % höheren Zuckerertrag erreichen als die Normalsorten auf diesen Standorten. Die Ertragsleistung bleibe jedoch auf gleichem Niveau, auch das Nematodenniveau werde mit den toleranten Sorten nicht nach unten gedrückt. Die führende Sorte ist laut Schlinker zurzeit Pauletta. Mauricia erreiche dieses gute Niveau nicht.
Pillierungsformen
Ab dem Frühjahr 2009 werde jedoch die tolerante Sorte Theresa auf den Markt kommen und Pauletta ablösen. Sie übertrifft den bisherigen Standard im Zuckerertrag und weist auch eine bessere Qualität (Zuckergehalt und Melassebildner) auf. Unter Nematodenfreiheit hat sie in der Wertprüfung gleiche Erträge wie normale Sorten gebracht. Unter Nematodenbefall lag der Ertrag jedoch um 15 % höher.
Ein weiteres Thema waren auf dem Feldtag die verschiedenen Pillierungen des Zuckerrübensaatgutes. Die Praxis hat zurzeit Zugriff auf Pillierungen mit hoher Aufladung an insektiziden Wirkstoffen wie Poncho Beta oder Cruiser Force SB. Als dritte Möglichkeit steht Force Magna zur Verfügung. Sie ist die günstigste Beize, hat aber nicht so eine hohe Wirkstoffdosierung wie die beiden anderen Präparate. In diesem Frühjahr hat sich nach Angaben von Dr. Ulrich Lehrke, Bezirksstelle Braunschweig, gezeigt, dass die geringe Dosierung auf Rübenstandorten in Niedersachsen häufig nicht ausreicht. Die Wirkung sei gegenüber den oberirdischen Schädlingen wie Moosknopfkäfer und Blattläusen aufgrund der geringen Wirkstoffmenge sehr begrenzt, sodass in diesen Fällen bereits eine Insektizidspritzung nachgelegt werden musste. Der Preisvorteil der Beize werde damit schnell wieder aufgezehrt.
Auf einer anderen Station wurden Rüben präsentiert, die mit der innovativen Schlitzsaat
technik bestellt worden sind. Mit diesem Verfahren, das sich auf leichteren Böden im Raum Uelzen mittlerweile auf über 1.000 ha mit steigender Tendenz bewährt hat, werden verschiedene Vorteile erzielt. So erfolgt die Saatbettbereitung nicht mehr flächig, sondern nur noch in der Reihe, in der die Rübenpillen abgelegt werden. Der Boden zwischen den Reihen wird nicht mehr bearbeitet, das Bodengefüge bleibt bestehen. Vorteile der Schlitzsaat sind der geringere Dieselverbrauch, der verbesserte Erosionsschutz, ein geringerer Zeitbedarf und die frühere Aussaat.
Auf dem Versuchsfeld wurde jedoch offenkundig, dass sich dieses Verfahren mit der bisherigen Technik nicht 1 : 1 auf schwerere Standorte übertragen lässt. Wenn der Boden zu tonig wird, ist häufig kein Wasseranschluss vorhanden. So auch in Salzdahlum, wo der Feldaufgang mit 58.000 Pflanzen nicht zufriedenstellend war.
Auf einem anderen Stand auf dem Versuchsfeld wurden Herbizidstrategien vorgestellt. Die Praxis setzt hier seit Jahren auf drei Splittingtermine im Nachauflauf. Auf den meisten Flächen hat sich das dreimalige Splitting im Abstand von zehn Tagen bewährt. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass vor allem bei Trockenheit oder Problemverunkrautungen das Fertigprodukt Betanal Expert in Mischungen mit den Einzelkomponenten deutlich überlegen ist. Je nach Verunkrautung können den Basisherbiziden Betanal Expert plus Goltix 700 SC Spezialpräparate wie Debut, Rebell oder auch Lontrel zugesetzt werden. Gerade bei Trockenheit hat sich der Zusatz von Rebell bzw. von Debut in Teilmengen auch zur NAK 1 bewährt.
Bodenschonung
Teure Spezialmaschinen wie Rübenroder stehen im Spannungsfeld zwischen einem rentablen Einsatz und der Realisierung von Bodenschonung. Im Sinne guter fachlicher Praxis sind Kampagneleistung und Schonung des Bodengefüges zu kombinieren, um Kosten für Wiederauflockerung und Ertragsverluste zu vermindern. Wenn der Roderfahrer bei der Arbeit eine bleibende Verformung des Bodens feststellt, kann die Tragfähigkeit verbessert werden, indem man entweder auf eine Abtrocknung wartet und die Arbeit stoppt oder geräteseitig den Bodendruck mindert.
Bei Erntemaschinen könnte dies bedeuten, den Bunker in seiner Kapazität nicht mehr voll auszuschöpfen. Durch die geringere Last kann dann wiederum der Reifeninnendruck so stark abgesenkt werden, bis die maximal zulässige Kontaktfläche erreicht wird, betonte Dr. Joa
chim Brunotte, vTI, Braunschweig, in Salzdahlum. Ein Ultraschallsensor könnte in solchen Fällen online die maximal zulässige Einfederung messen, die als Regelgröße genutzt werden kann. Große Ventile könnten dann laut Brunotte das schnelle Anpassen des zulässigen Innendrucks ermöglichen.