Nicht nur der Sorghum gilt als Alternative zum etwas überstrapazierten Mais. Das Züchterhaus KWS hat der Suche nach neuen Kulturen und geeigneten Energiefruchtfolgen viel Aufmerksamkeit gewidmet. Auf den Wintertagungen des Unternehmens wurde darüber berichtet.
von Catrin Hahn
Strausberg in Brandenburg, Anfang Dezember. Anders als mancher vielleicht vermutet, zieht sich der
Landwirt in diesen Tagen nicht an seinen schönen warmen Ofen zurück und wartet auf das Ende des Winters. Er nutzt vielmehr die Gelegenheit, bei Wintertagungen mit Berufskollegen das vergangene Jahr auszuwerten und sich über Firmenneuheiten zu informieren.
KWS bietet mehrere Broschüren zu Energiepflanzen an, die unter www.kws.de heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden können.
Bei der Wintertagung der KWS wurde ein guter Teil der Vorträge dem Thema Energiepflanzen gewidmet. Als eins von nur zwei deutschen Züchterhäusern hat KWS auch Sor-ghum im Angebot und seit 2007 ein intensives Zuchtprogramm für diese Kultur.
Fachberater Philip Jung stellte die Sortenpalette vor, und gab Empfehlungen zur Anbautechnik, zur Bestandesführung und zur Fruchtfolgeeinordnung. Genaueres ist in der Broschüre: „KWS Energiesorghum“ nachzulesen.
Ein weiterer Beitrag galt dem Thema Biogas aus Zuckerrüben. Nicht nur die Technikhersteller haben in den letzten Monaten diesem Thema erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt - wie im November bei der BioEnergy Decentral sehr deutlich wurde - auch viele Züchterhäuser haben sich damit befasst. KWS, praktisch die „Mutter der Zuckerrüben“ - der
Landwirt Matthias Christian Rabbethge, der 1856 eine Zuckerfabrik kaufte und die „Kleinwanzlebener Saaten“ gründete, begann dort als erster mit der Züchtung von Zuckerrübensorten - ist natürlich auch dabei. Ellen Knips vom KWS Agroservice Zuckerrübe stellte Erfahrungen aus Labor und Praxis vor. Nach ihren Worten sei die Zuckerrübe die ideale Biogaspflanze: sowohl in Massenbildung und Energieausbeute als auch in der Umsetzungsgeschwindigkeit erzielt sie höchste Punktzahlen. Ein besonderer Vorteil ist nach ihren Worten, dass die Zuckerrübe kein Lignin enthalte, das ansonsten ja als Gerüststoff in allen verholzenden Pflanzen enthalten sei.
Wie wird/muss sich die Verarbeitungskette entwickeln?
In der Produktionstechnik sei der Unterschied zwischen Zucker- und Biogasnutzung nicht besonders groß. Die vorhandenen Sorten entsprechen schon heute den Anforderungen. In der Bestandesführung muss auf eine höhere N-Düngung geachtet werden, die 5 bis 8 % Mehrertrag möglich macht. Bei der Erntetechnologie empfiehlt Knips, die Rüben mit Kopf zu ernten. Mit dieser Vorgehensweise seien weitere 3 bis 7 % mehr Massertrag vom Feld zu holen.
Das Problem Erde und Steine löst KWS mit der hauseigenen neuen Rübenwäsche.
50 bis 60 t Durchsatz sind mit dieser Anlage zu erreichen.
Ellen Knips stellte mehrere Varianten vor, wie die Verarbeitungskette aus Ernte, Reinigung, Silierung und Verarbeitung gestaltet werden kann. Sie stellte Praxisversuche vor, die zusammenfassend folgendes ergeben haben:
- Erhöhte Prozessstabilität durch Zuckerrüben.
- Steigerung des CH4-Gehaltes um bis zu 2 Prozentpunkte bei Zugabe von 25-30 % Zuckerrüben.
- Die Rübe bringt „schnelles Gas“ - und schnelle Säuren.
- Die Zuckerrübe ist feinre-gulativ.
- Erdanhang ist kein Ausschlusskriterium! Technische Lösungen sind vorhanden. Ein Großteil der Erde wird außerdem wieder ausgetragen.
- Es besteht Optimierungsbedarf bei den Technikketten zur Rübenaufbereitung für die Biogasanlage, Rodung (Entblattung), Reinigung, Zerkleinerung und Beförderung (Pumpen).
Folgendes Fazit ergab der Vortrag: Insgesamt bleibt Mais die wichtigste
Biogaskultur. Es liegen jedoch Vorteile in der Kombination mehrerer
Kulturen. Diese Mischung verspicht sowohl Effizienzsteigerung im
Fermenter als auch ökologische Vorteile für den Standort.